Weltgrößtes Papierschiff in Oberhausen in den Müll geworfen

Klaus Peter Beiers Weltrekord-Papierschiff ist aus Versehen im Altpapier-Container gelandet.
Klaus Peter Beiers Weltrekord-Papierschiff ist aus Versehen im Altpapier-Container gelandet.
Foto: Hendrik Grzebatzki
Was wir bereits wissen
Der Künstler ist enttäuscht, wenn nicht gar verbittert - Der Abenteuerpark hat sein großes Papierschiff einfach weggeworfen, angeblich ein Versehen.

Alpen/Oberhausen.. Weltrekordjäger Klaus Peter Beier (45) aus Alpen ist betrübt. Sein jüngstes Machwerk, mit dem er einen weiteren Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde angesteuert hat, ist – heimlich, still und leise – untergetaucht.

Das größte Papierschiff der Welt, das er mit seinem Team Ende März im Abenteuerpark in Oberhausen zusammengefaltet hat, ist schneller als gedacht ganz schnöde, still und leise in den Altpapier-Container gesegelt. Rausgekommen ist das traurige Schicksal des XXL-Kahns im Vorfeld von Dreharbeiten eines Fernsehteams, das im Nachgang noch mal über den jüngsten Weltrekord des Alpener Tüftlers berichten wollte.

Ein bedauerliches Missverständnis

Auf Anfrage habe eine Mitarbeiterin des Abenteuerparks nur mit den Schultern gezuckt und eingestanden, dass ein Mitarbeiter bei Aufräumarbeiten versehentlich die zusammengelegten Papierbahnen auf den Weg zur Wiederverwertung gebracht habe. Ein bedauerliches Missverständnis, aber nicht mehr rückgängig zu machen.

Scherzbolde erinnerten in dem Zusammenhang an das traurige Schicksal von Beuys-Werken: die verschwundene Fettecke oder die von einer Putzfrau blankgewienerte Badewanne des modernen Meisters – mit dem sich der Weltrekordmann aber nicht in einem Boot sieht. Aber allein der Papierwert seines Werkes ist beileibe kein Pappenstiel: 203 Quadratemeter – das entspricht rund 3200 DIN-A-4-Blättern – haben der Alpener und seine Crew so gefaltet, wie Väter es ihren Kindern im Miniaturformat beibringen: 11,90 Meter lang und 3,50 Meter hoch war der Kahn aus Zellstoff, der keinen Namen trägt.

1750 Euro für rheumakranke Kinder

Das ganze Werk war nach der Länge eines Fußballspiels fertig, der Jubel über den gelungene Rekordversuch groß. Ähnlich groß ist nun die Enttäuschung. Die wird noch dadurch verstärkt, dass auch die Zusage, den werbewirksamen Weltrekordversuch mit einer Spende aus der Kasse der Charity-Organisation von Merlin Entertainment an die Rheumahilfe für Kinder zu belohnen, wackelt. Beier unterstützt den Förderverein mit seinen Aktionen. „Man verwies darauf, dass die Einnahmen bei dem Event nicht so hoch gewesen seien, wie man sich das vorgestellt hat“, so Beier. Das erste Angebot von 150 Euro sei inzwischen auf 750 Euro aufgestockt worden. „Aber ich bin mir inzwischen nicht mehr so sicher, ob das Geld an den Förderverein auch tatsächlich überwiesen wird“, so der Industriemechaniker.

Der Geschäftsführer der Niederauer Mühle habe von der mageren Ausbeute erfahren und spontan 1000 Euro für den guten Zweck zugesagt. Der Papierhersteller aus der Eifel hatte auch den Rohstoff für den Weltrekord gesponsert. Zusammen mit dem erhofften Geld von der Charity fließen dann 1750 Euro für rheumakranke Kinder. Das wär’ doch was. Dieser Betrag würde über den Verlust der nicht schwimmfähigen Yacht aus Zellstoff hinwegtrösten. Zumal Beier schon unmittelbar nach dem Rekord vermutet hatte, dass sein Werk mal so endet. Bestehen bleibt nur sein Rekord.

Der Alpener hat schon eine neue Idee, die in seinem Kopf arbeitet. Er will den größten Friesenbaum bauen, den die Welt je gesehen hat – ein Weihnachtsbaum aus Holz mit einem Kranz aus grünen Zweigen. Technisch kein Problem. Doch Klaus Peter Beier hat ein anderes: „Ich weiß nicht, ob’s dafür ein englisches Wort gibt.“ Wie nur soll er der Guinness-Redaktion sein neues Projekt schmackhaft machen?