Weiterbildung zur Busfahrerin in Oberhausen

Sina Neu hat eine Weiterbildung zur Busfahrerin in Oberhausen erhalten.
Sina Neu hat eine Weiterbildung zur Busfahrerin in Oberhausen erhalten.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Oberhausenerin Sina Neu hat vom Job-Center eine Weiterbildung zur Busfahrerin erhalten. Sie wird künftig für die Stoag arbeiten.

Oberhausen.. Der Sitz ist auf die richtige Höhe eingestellt, das Lenkrad ebenfalls. Außenspiegel nicht vergessen! Wie will man sonst auf den rückwärtigen Verkehr achten? Eigentlich beginnt die Fahrstunde von Sina Neu wie jede andere Fahrstunde auch. Einziger Unterschied: Die 37-Jährige sitzt nicht in einem schnittigen Kleinwagen, sondern hat mehr als zehn Tonnen Gewicht unterm Hintern. Die Oberhausenerin lernt in der Fahrschule Krüssmann, wie man einen Reisebus durch die Straßen lenkt – als Weiterbildungsmaßnahme des Jobcenters. Wenn sie in ein paar Monaten alle Prüfungen besteht, fährt Sina Neu künftig für die Stoag Fahrgäste durch die Stadt.

„Ein Traum“, sagt die 37-Jährige. Von schweren Fahrzeugen war die Oberhausenerin schon als Kind beeindruckt. „Papa fährt Kran, da bleibt das nicht aus“, sagt sie und lacht herzlich. Am liebsten hätte sie diesen Schritt schon viel früher gewagt: 2010 hat sie sich nach neuen beruflichen Perspektiven umgesehen und beim Arbeitsamt angefragt. Doch als Mutter von zwei Kindern hätte sie die Qualifizierung zeitlich nicht schaffen können. Sie arbeitete als Reinigungskraft, war zwischendurch aber auch immer wieder auf Leistungen des Jobcenters angewiesen. Jetzt sind die Kinder alt genug – 15 und 17 Jahre – und Sina Neu ist bereit für die Herausforderung.

Eine von 16 Fahrschülern

Sie ist eine von insgesamt 16 neuen Fahrschülern, um die sich Klaus Krüssmann, Geschäftsführer der gleichnamigen Fahrschule im Rahmen der Jobcenter-Weiterbildung kümmert. Vier Monate wird die Maßnahme dauern. Und die Perspektive für danach? „Die sieht ganz hervorragend aus“, sagt Josef Vogt, Sprecher des Oberhausener Jobcenters. Schon im Vorfeld der Weiterbildung haben die Teilnehmer Gespräche mit einer Zeitarbeitsfirma und der Stoag geführt. Für Sina Neu bedeutet das: Nach der Führerschein- und der Kraftfahrer-Prüfung der IHK wird das Zeitarbeitsunternehmen sie wohl einstellen und als Busfahrerin bei der Stoag einsetzen. Nach 18 Monaten besteht dann die Möglichkeit, von der Stoag übernommen zu werden.

Was ist die größte Herausforderung am Busfahren? „Ganz klar: das späte Einlenken“, sagt Sina Neu und guckt lachend zu ihrem Fahrlehrer. Beide erinnern sich noch gut an die Übungsstunde, in der die 37-Jährige beinahe den Außenspiegel an ein Straßenschild verloren hätte. Vier Fahrstunden hatte Neu bislang. Nach Abschluss aller Prüfungen Ende September wird sie insgesamt 72 absolviert haben.

Das Verhältnis Fahrgast-Busfahrer scheint angeschlagen

Aber nicht nur die Technik ist eine Herausforderung: Auch der Job als solcher wird der Oberhausenerin sicherlich einiges abverlangen. Auch sie hat mitbekommen, dass es in jüngster Vergangenheit oft zu Beschwerden gekommen ist, das Verhältnis Fahrgast-Busfahrer scheint angeschlagen. Aber Sina Neu ist zuversichtlich, auch schwierige Situationen meistern zu können. „Kundenorientiertes Verhalten“ gehört offiziell zur Busfahrer-Ausbildung dazu.

Es käme auch nicht von ungefähr, dass die Frauenquote bei der Busfahrer-Weiterbildung bei rund 50 Prozent läge, erklärt Jobcenter-Sprecher Josef Vogt. Weibliche Busfahrer wirkten deeskalierend. „Sie lächeln die brenzlige Situation einfach weg“, sagt er. Schaut man in das freundliche Gesicht von Sina Neu, glaubt man das sofort.

Das Oberhausener Jobcenter fördert Umschulungen und Weiterbildungen mit 3,3 Millionen Euro im Jahr. Umschulungen haben im Gegensatz zu Weiterbildungen einen berufsqualifizierten Abschluss. Die Dauer richtet sich an die jeweilige Ausbildungszeit und kann mehrere Jahre betragen.

Der Busführerschein ist Teil einer Weiterbildung. Das Jobcenter zahlt die Lehrgangskosten, Prüfungsgebühren, Fahrtkosten und je nach Bedarf auch anteilig die Kosten notwendiger Kinderbetreuung. Die Maßnahme dauert exakt vier Monate.

Auch für 2015 hat das Jobcenter wieder finanzielle Mittel reserviert, um diesmal rund 780 Leistungsempfänger durch Maßnahmen wieder in Lohn und Brot zu bekommen.