Weiberball: Frauen schießen scharf und leidenschaftlich

Männerlos durch die Nacht: Als Chor berühmter Frauenzimmer stimmt das Ensemble die Zuschauerinnen auf den Weiberabend ein.
Männerlos durch die Nacht: Als Chor berühmter Frauenzimmer stimmt das Ensemble die Zuschauerinnen auf den Weiberabend ein.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Im Karneval der Ruhrwerkstatt treffen sich Beate Uhse und Rosa Luxemburg auf einer Wolke und Gott geht endlich mal als Weibsbild.

Oberhausen.. Frau Mustermann zelebriert ihren 50. Geburtstag, Maria führt ein Zyklus-Tagebuch, Frau von der Leyen dirigiert das Schlümpfe-Quintett der Afghanistan-Rückkehrer und Trümmerfrauen verstecken Blindgänger: „Weibsbilder – Eigen nicht willig“ ist das Motto des Altweiberballs 2015 der Ruhrwerkstatt. Von Frauen gemacht, für Frauen gedacht. Tote erwachen und auf Lebende wird scharf geschossen.

Das 18-köpfige Ensemble legt sich ins Zeug, singt, tanzt, spielt und serviert eine Revue aus einem Guss. Vom Einmarsch der Gladiatorinnen bis zum Finale ist alles kollektiv zur Schau gereift. Mit großem Elan wird sie ausgelebt, einmal vor Publikum geprobt und an zwei aufeinander folgenden Abenden serviert – wie immer im ausverkauften Ebertbad.

Charmant bis glitschig

Frech, frivol, schonungslos und bissig kommt die Analyse der Geschichte der Frau daher. Ein Thema, 23 Nummern, charmant bis glitschig moderiert von der unvergleichlichen Anja Balzer, die sich dieses Mal in einem Outfit zeigt, das Lady Gaga vor Neid erblassen lässt. „Ich bin eure Ursau, euer absolutes Muttertier, eure Göttin!“

Von hinten durch die Menge auf die Bühne: Als die närrische Crew geschlossen einmarschiert, ist das Publikum von Mama Anja bereits aufs Mitklatschen und Helau rufen eingestimmt. Aufs Motto auch: Nach kurzem Namenraten auf der Bühne – „Bin ich ein Schläger?“ (Steffi Graf), „Rauche ich noch?“ (Loki Schmidt) oder „Bin ich ein ehrlicher Mensch?“ (Alice Schwarzer) – singt der Berühmtheiten-Chor aus Hildegard Knef, Angela Merkel, Romy Schneider, Helene Fischer, Doris Day und Co. gemeinsam „Männerlos durch die Nacht“. Ein brillanter Auftakt.

"Gott hat sich schon verkleidet"

Dann geht’s Schlag auf Schlag weiter. Tanzeinlagen, Songs und Szenen im fliegenden Wechsel. Lieder wie „Ich hab’ Rücken“ oder „Können Pralinen Sünde sein“ konfrontieren die Zuschauerinnen ebenso wie das „Damenwahl-Ballett“, bei dem Oberhemden reichen, um Tanzpartner darzustellen, der Sketch Hanni und Nanni oder die Rede des türkischen Ministers über den weiblichen Unterleib mit frauenbewegenden Aspekten.

Karneval 2015 Ja, sie entführen das Publikum auch in den Himmel, wo Rosa Luxemburg erfolglos ihre Wolke gegen die Gesellschaft von Ex-Kapitalistin Beate Uhse verteidigt. Doch das währt nur kurz, weil Hoppeditz die frohe Kunde verbreitet, dass er nun doch im Paradies erwachen darf: „Gott hat sich schon verkleidet. Er will nun endlich mal als Weibsbild gehen!“ Mit dem Lied „Geht, sagt es allen Engeln, Karneval gibt’s auch im Himmelreich“ verabschiedet das Ensemble die Zuschauerinnen in die Schunkelpause. Doch auch die ist kurz, Frauenpower gönnt sich nur eine kleine Verschnaufpause, um dann wieder voll zuzuschlagen: Sie entsorgen Männer als Sondermüll, machen aus dem Reichstag ein Frauenhaus, bereiten als Rollator-Ladys die ultimative Ampelaktion vor. Im Top-Finale aller Beteiligten singen sie, was Frauen am Arsch vorbeigeht und was nicht.