Wehmütiger Abschied vom Oberhausener Centro

Axel Biermann, Geschäftsführer der Ruhrtouristik GmbH, in seinem Büro am Centro. Er sitzt in dem Gebäude, in dem sich auch das Jobcenter befindet.
Axel Biermann, Geschäftsführer der Ruhrtouristik GmbH, in seinem Büro am Centro. Er sitzt in dem Gebäude, in dem sich auch das Jobcenter befindet.
Foto: Fabian Strauch Photography / WAZ
Was wir bereits wissen
In gut einem Jahr zieht die Ruhrtouristik GmbH des Regionalverbandes Ruhr (RVR) von Oberhausen nach Essen. Der Geschäftsführer der Tochtergesellschaft zieht schon einmal Bilanz der Arbeit seines 40-köpfigen Teams.

Oberhausen.. Axel Biermann, als gebürtiger Stuttgarter oberster Touristik-Chef des Ruhrgebiets, schaut ein wenig wehmütig aus dem Fenster seines Büros direkt am Centro: „Hier habe ich alle Kernelemente im Blick, die den Tourismus im Ruhrgebiet ausmachen: Kultur, Einkaufen, Sport, Freizeit.“ Aus seinem gläsernen Eckbüro sieht man den Gasometer, das Musical-Theater, Sealife an der Marina, den Aquapark – und erahnt dahinter den Kanal.

In gut einem Jahr wird Biermann mit seiner 40-köpfigen Mannschaft aus Oberhausen wegziehen – wie kürzlich bekannt wurde, in ein südlich der Essener Innenstadt gelegenes Bürogebäude, das früher einer Krankenkasse gehörte. Denn Biermann ist seit 2008 Geschäftsführer der Ruhr-Touristik GmbH, einer Tochter des Regionalverbandes Ruhr (RVR), der alle Untergesellschaften wieder an den Stammsitz zurückholen will. Aus Kostengründen. Was Biermann zwar wirtschaftlich nachvollziehbar, aber trotzdem erkennbar bedauerlich findet. „Hier in Oberhausen ist nun einmal der Hotspot des Tagestourismus der Region.“

Verschiedene Aufgabenfelder

Der 49-jährige Diplom-Geograf sorgt seit 2008 dafür, dass das Ruhrgebiet als Städtereise-Ziel an Bedeutung gewinnt. Dafür hat er einen regelrechten Gemischtwarenladen unter sich: Er fördert mit seinem Team Radwege quer durchs Land, die Radler europaweit anlocken; er bündelt über 90 Freizeitziele in der Region für die Rabattkarte „Ruhr-Topcard“, er schafft quasi als Event-Agentur einmal im Jahr zwei bis drei Großereignisse im Revier, die Massen binden (Extra-Schicht, Sing – Day of Song, Wissensnacht Ruhr, Ruhr Games, Speed of Light), er versucht, die Kooperation der drei Dutzend Museen im Ruhrgebiet voranzubringen und deren Schätze unter der Dachmarke „Ruhrkunstmuseen“ gemeinsam zu vermarkten. Hinzu kommt das Alltagsgeschäft, wie Hotel- und Tourenvermittlung für Touristen und Reiseunternehmen.

Zehn Millionen Euro im Jahr setzt die Ruhrtouristik um, die für ihre Arbeit einen Geldzuschuss von 2,4 Millionen Euro erhält.

Die Kritik privater Marketingfachleute, es sei nach der Kulturhauptstadt zu wenig passiert, teilt Biermann nicht – und belegt dies durch Daten: „Mit der Zahl der Gäste im Ruhrgebiet geht es weiter steil bergauf, das ist noch keiner Kulturhauptstadt zuvor gelungen.“

Ruhrgebiet steigerte Übernachtungszahlen

Alles gut also? Nein. Das Ruhrgebiet steigerte zwar seine Übernachtungszahlen in 20 Jahren von vier auf 7 Millionen im Jahr, doch andere Städtereiseziele weisen im Schnitt ein Verhältnis Einwohner zu Übernachtungen von 1 zu 4 auf. Danach müsste das Ruhrgebiet 16 Millionen Übernachtungen zählen. „Das wäre mein Traum, dass wir das schaffen“, sagt Biermann.