WbI erinnert an einen Grenzgänger
14.12.2009 | 18:39 Uhr 2009-12-14T18:39:00+0100
Mit einer Ausstellung und Dokumentationen erinnert das Weiterbildungsinstitut im Forum am Altmarkt an den Künstler und Kunsterzieher Dieter Hermann, der von 1964 bis 1996 Lehrer am heutigen Heinrich-Heine-Gymnasium war.
Ehemaligen-Treffen im Weiterbildungsinstitut im Forum an der Marktstraße, die Eleven der alten Penne folgen den Spuren eines der ex- und egozentrischsten Lehrers in der Nachkriegsgeschichte des ehemaligen Staatlichen Gymnasiums, der kurzzeitigen Gymnasiums an der Lohstraße und heutigen Heinrich-Heine-Gymnasiums: Dieter Hermann, der Maler, der Schauspieler, der Regisseur - und der Kunsterzieher, der auch schon einmal einen Schüler vom Stuhl prügeln konnte, der über mehrere Wochen ein Zeichengerät vergessen hatte. Davon soll nicht die Rede sein zur Eröffnung der Ausstellung „Dieter Hermann – In Memoriam“, die im WbI, die Erinnerung verklärt gern die Bilder, auch die des posthum mit dieser Ausstellung zu ehrenden, und das ist durchaus rechtens.
Heuer würde man den Mann, der am 10. Juni dieses Jahres 75 Jahre alt geworden wäre und dessen Todestag sich am 4. Adventssonntag zum 10. Male jährt, wohl als multimedialen Kulturschaffenden rühmen, das zeichnerische, malerische Werk hat nicht ganz den Stellenwert, den der Opernliebhaber und Callas-Fan selbst so gern gesehen hätte.
Einflüsse von Paul Cezanne
Manchmal erinnern seine Arbeiten stilistisch an Vertreter des expressiven Realismus wie etwa Otto Pankok, die Ausformung der Porträts ist gelegentlich beinahe sakral, der (weiterentwickelte) Einfluss seines kaum mehr heimlichen Vorbildes Paul Cezanne ist unverkennbar.
Natürlich gilt bei einer solchen Eröffnung der Dokumentation der künstlerischen und pädagogischen Stationen von Dieter Hermann das zentrale Interesse, Pennäler im Allgemeinen und die des ehemaligen Staatlichen im Besonderen schwelgen gerne in aufhellenden Erinnerungen, und was WbI-Geschäftsführer Peter Urselmann mit Mitschülern in kaum einem halben Jahr zusammengetragen hat, lohnt, die Nase platt zu drücken an alten Zeitungsartikeln und Erinnerungsstücken, die – keine Frage – für viele heute hart ans Rentenalter strebende Menschen ein illustres Stück ihrer eigenen Geschichte sind.
Respekt vor der Schöpfung
Ob Hermanns Inszenierung von Saint-Exupèrys „Kleinem Prinzen“, die nicht zuletzt zur Legende wuchs, weil sie 1972 in der Ära Seiltgen zwei Monate lang gar im Studio 99 des Theaters aufgeführt wurde, seine Kunst-AG oder seine tragende Rolle in Christoph Schlingensiefs 1977 als 17-jähriger Pennäler gedrehtem Debütfilm „Das Geheimnis des Grafen von Kaunitz“ (bei der Eröffnung zu sehen), der schon Verweise auf die absurde Erzählform und bizarre Kamerasprache des heute international anerkannten Regisseurs zeigt: eine spannende Reise in die Vergangenheit am Eröffnungsabend der Ausstellung, an der auch Dieter Hermanns damaliger Kollege, der Oberhausener Künstler Hermann EsRichter, teilnimmt.
Peter Urselmann skizziert ein paar Facetten aus dem Arbeiten, das Dieter Hermann in unserer Stadt für lange Zeit noch unvergessen macht, sein damaliger Klassenkamerad Klaus Peter Raschkewitz belichtet Hermanns Balance zwischen Oberhausener Lehrer und Oberhausener Künstler, bezeichnet die Ausstellung als Botschaft aus einer vergangenen, aber nicht vergessenen Welt, die auch Hermanns Respekt vor der Schöpfung zeige.
Öffnungszeiten der Ausstellung
Von 1964 bis 1996 war Dieter Hermann Kunsterzieher an der „alten” Penne. Schon früh revolutionierte er die Umgangssitten am erzkonservativen Gymnasium, Schüler, mit denen er engeren Kontakt hatte angesichts seiner mannigfaltigen Aktivitäten über den klassischen Schulbetrieb hinaus, konnten ihn duzen. Die Ausstellung im WbI ist von montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr zu sehen, die günstigste Zeit ist zwischen 16 und 18 Uhr.

0mitdiskutieren