Was Sozialarbeiter in Oberhausen leisten

Die Sozialarbeiterinnen (v.l.) Andrea Reuschel, Sarah Bernstein, Anke Thiele, Maren Juli und Eva Bauer aus Oberhausen und Mülheim mit ihren Klientinnen (dahinter), die unerkannt bleiben wollen.
Die Sozialarbeiterinnen (v.l.) Andrea Reuschel, Sarah Bernstein, Anke Thiele, Maren Juli und Eva Bauer aus Oberhausen und Mülheim mit ihren Klientinnen (dahinter), die unerkannt bleiben wollen.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Auf Einladung der Gewerkschaft berichten Mütter, wie ihnen geholfen wird: „Schon allein das Gefühl, jemand hilft dir, brachte eine totale Entlastung“.

Oberhausen.. Es sind ganz unterschiedliche Lebensgeschichten, von denen vier Frauen am vergangenen Montag im DGB-Haus an der Friedrich-Karl-Straße erzählen. Aber eines ist ihnen gemeinsam: Sie alle haben Hilfe beim städtischen Sozialen Dienst gesucht und gefunden. „Die Arbeit der Mitarbeiter dort ist echt wichtig“, sagt Stephanie (28).

Die Mutter einer achtjährigen Tochter ist ebenso wie die drei anderen Frauen gerne der Einladung von Verdi-Geschäftsführerin Henrike Greven gefolgt, um die Bedeutung des Sozialen Dienstes in den Städten Oberhausen und Mülheim herauszustellen. Deren Mitarbeiter streiken derzeit zwar ebenso wie die Erzieher in den städtischen Kitas, doch fällt das in der Öffentlichkeit deutlich weniger auf. „Ist ja auch eigentlich klar. Wer erzählt schon gerne, dass er unsere Hilfe benötigt“, sagt Sozialarbeiterin Andrea Reuschel. Um so froher sind die Streikenden, dass sich vier Mütter dazu bereit erklärt haben.

Verantwortung gegenüber dem Kind

Da ist zum Beispiel Patricia, 44, geschieden, Mutter von vier Kindern. Ihr ältester Sohn wollte nicht mehr zur Schule gehen, ließ sich von ihr nichts mehr sagen, griff Mitschüler an, drohte in die Kriminalität abzurutschen. „Ich wusste einfach nicht mehr weiter. Aus dem Verantwortungsbewusstsein gegenüber meinen Kindern habe ich Hilfe beim sozialen Dienst gesucht und gefunden.“ Familienhilfe, Gespräche, die gemeinsame Suche nach Lösungen, Elternschule, zwischenzeitlich die Herausnahme des Sohnes aus der Familie – eine Menge wurde getan. „Mittlerweile hat er eine eigene Wohnung, steht im Berufsleben“ , sagt Patricia. Sie war froh, dass es jemanden gab, der ihr beistand, der ihr half, der mit ihr gemeinsam den Weg aus der Krise ging.

Das erzählt auch Anke, Mutter von drei Kindern und selbst gelernte Sozialarbeiterin. Als sie mit ihren Kindern alleine da stand, war sie überfordert. „Psychisch und physisch war ich am Ende. Mein Sohn entwickelte eine Schulverweigerungshaltung. Ich kam dagegen einfach nicht mehr an.“ Bis sie Hilfe bekam habe es zwar zwei Monate gedauert, aber danach besuchten sie wöchentlich zwei Familientherapeuten, führten Gespräche – mit ihr, mit dem Sohn, mit den beiden anderen Kindern. „Schon allein das Gefühl, jemand hilft dir, brachte eine totale Entlastung.“ Ein Jahr lang war der soziale Dienst eingeschaltet. „Dann wusste ich, jetzt habe ich die Zügel wieder in der Hand und die Kinder merkten, Mama ist wieder voll da.“

Jennifer (31 Jahre) ist Mutter von zwei Kindern, vom Vater lebt sie mittlerweile getrennt. Vor zwei Jahren wandte sie sich an den sozialen Dienst. „Meine eigene Kindheit war schon nicht toll. Ich wollte und will für meine Kinder, dass es ihnen besser geht.“ Ihr war bei der Trennung vom Vater wichtig zu klären, was ihre Rechte, was ihre Pflichten sind. Auch wenn sie sich anfangs mit der Familienhilfe nicht so gut verstanden habe, „inzwischen bin ich froh, dass man mich unterstützt.“ Die Schlussfolgerungen, die sie daraus zieht: „Die Arbeit, die da geleistet wird, ist unheimlich wichtig.“

Um die gut leisten zu können, brauche es zufriedenes Personal, sagt Stephanie. „Ich möchte, dass ein Sozialarbeiter mit Herzblut bei der Sache ist.“