Während der Kirmes in Oberhausen drehen alle auf

Und noch ‘ne Runde: Das Kettenkarussell dreht sich bei der Fronleichnamskirmes auf dem Neumarkt.
Und noch ‘ne Runde: Das Kettenkarussell dreht sich bei der Fronleichnamskirmes auf dem Neumarkt.
Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Service
Was wir bereits wissen
Gut besuchte Starttage spielen Schaustellern der Sterkrader Kirmes in die Karten. Sterkrader pflegen ihre Rituale.

Oberhausen.. Sie sind in Rudeln unterwegs und haben ihre Stimme offenbar gut geölt: „Kirmes ist nur einmal im Jahr“ schallt über ihre Lippen, den Mallorca-Hit von Schlagersänger Peter Wackel haben sie zu einem eigenen Soundtrack für sechs Tage Fronleichnamskirmes in Sterkrade umgedichtet. Die fünfköpfige Handballertruppe ist nur ein Beispiel für die Kirmes-Typen, die auf dem Rummel oder drumherum zu finden sind.

Die Schlemmer-Fans

Sie sind schon aus der Entfernung wie Landmarken zu erkennen: Denn sie gehen nicht, sie schlemmen. Ein breites Backfischbrötchen erfordert Zahnakrobatik und auch die ungarische Langos-Teigtasche muss ohne Schlabber-Schaden ans Ziel gebracht werden. Gleiches gilt für das sahnige Kirmeseis, bei dem es in diesem Jahr besonders flüssig läuft. Die Stellplätze neben den Karussells sind Mampf-Orte. Wie kaut es sich in diesem Jahr? „Gut“, sagt Albert Ritter, Präsident der Deutschen Schausteller. Das gilt für den noch nicht so heißen Mittwoch und Donnerstag. Es sind die wichtigsten Tage für Wirte und Schlemmerstandbesitzer. Denn: „Einen verregneten Kirmesheiligabend holst du nur schwer wieder auf.“

Die Anwohner

Überall Rummel und Trubel, nur gut, wer nach einem langen Rundgang auf der zweieinhalb Kilometer langen Wegstrecke schnell die Beine hochlegen kann. Harald Weidlich könnte schnell aufs Sofa. Doch da landet er selten. Der 64-Jährige ist als Sterkrader ein echter Kirmes-Fan. Kein Wunder, dass ihn viele nur als „Kirmes Hardy“ kennen.

„Wenn die ersten Container ankommen, werde ich nervös“, sagt er. Der gelernte Tischler liebt das Treiben, die Fahrgeschäfte und das Zusammentreffen vor seiner Haustür. Darum lädt er jeden Kirmesheiligabend Freunde und Bekannte in seinen Garten ein. Zur Kirmesparty. „Wenn wir die Musik von den Fahrgeschäften hören, geht es uns gut!“ Er ist ein echtes Original: In einer Zeitungsanzeige gratulierte er Platzmeisterin Sina Illmann zur bevorstehenden („lustigen“) Geburt.

Die Romantiker

Herzen sind gefragt: Die Kirmesveranstalter suchen zurzeit nach Besucher-Selfies samt Herzmotiv. Noch mehr ans Herz geht die Idee von Tobias Fleckner. Trauen muss man sich bekanntlich auf viele Karussells. Doch auch so? Der Gastronom machte seiner Nina auf dem Riesenrad im vergangenen Jahr ei­nen Heiratsantrag. Sie sagte ja, nun heiraten beide mit echten Kirmesgefühlen. Am Kirmesheiligabend baute Fleckner zum Polterabend bei „Bernardus“ seine eigene kleine Kirmes auf. „Das passte einfach!“ Am heutigen Samstag heiratet das Paar, mit Tischen, die nach Karussells benannt sind. Wir finden: Diese Idee hat den Dreh raus!

Die Losbuden-Belagerer

Volle Bude, das gilt auch für die eigene Wohnung, wenn man am Losstand abräumt und großkalibrige Stofftiere gewinnt. Losbuden-Varianten gibt es viele. Nicht immer sind Nieten dabei. Bei den Gewinnen wechseln sich Blumen, Fußbälle und Motivkissen ab. Bei den Stofftieren liegen die einäugigen Trickfilmhelden „Minions“ vorne.