Wachwechsel in der Backstube
06.11.2007 | 18:47 Uhr 2007-11-06T18:47:21+0100PROJEKTWOCHE. In den Werkstätten des Hans-Sachs-Berufskollegs arbeiten normalerweise fast nur Jungen. Für eine Woche haben Schülerinnen das Kommando übernommen.
Es duftet herrlich in der Bäckerei des Hans-Sachs-Berufskollegs (HSBK). "Wir backen heute ein Hexenhaus und dekorieren das mit Bonbons", erzählt Venezia Goman sichtlich begeistert. Die Bäckerei ist mit weniger Schülern gefüllt als an normalen Tagen, aber: Heute ist ja auch kein normaler Tag. Das sieht man allein schon daran, dass dort ausschließlich Mädchen hantieren. Das HSBK wird überwiegend von Jungen besucht. Die anwesenden Mädchen sind Schülerinnen der siebten und achten Klasse der Hauptschulen Eisenheim und Alstaden.
In dieser Woche heißt es für sie: Backen, Hämmern, Malen. Obwohl die Mädchen nicht in entsprechende Berufe gedrängt werden sollen, wie Mitinitiator Bert Butzke vom Schulamt betont, sei die Teilnahme am Projekt verpflichtend. Sie hätten immerhin die Möglichkeit, zwei von sechs Fachbereiche des HSBK auszuwählen, in denen sie dann zwei Tage arbeiten. Das Ergebnis der Arbeit können die meisten mit nach Hause nehmen. "Das ist wichtig, damit die Mädchen das Ergebnis vor Augen haben und stolz darauf sein können", so Butzke. Nur die jungen Bautechnikerinnen gehen ohne Trophäe heim: Eine aus LernMörtel und Ziegelsteinen gebaute Mauer oder in Holz gehämmerte Nägel sind schwer nach Hause zu transportieren.
Mädchen haben Talent für Malerberuf
Die Zukunftsvorstellungen der Mädchen sind sehr gemischt: Während sich die Mädchen in der Bäckerei alle vorstellen können, später in dem Beruf zu arbeiten, sieht das in der Malerei schon nicht mehr so einheitlich aus. Nur Christina Bohnes sagt fast trotzig: "Doch, ich würde das vielleicht machen." Dabei bringen Mädchen durchaus ein natürliches Talent für den Malerberuf mit, wie Fachlehrer Günther Heyer zu berichten weiß: "Damen haben ein saubereres Händchen als die meisten Herren." Für Feinarbeiten seien sie also meistens geeigneter als Männer.
Der Erfolg ist durchaus da: "Ein paar Schülerinnen, die hier waren, haben sich später für einen technischen Beruf entschieden", berichtet HSBK-Oberstudiendirektor Marc Brücker. Illusionen geben sich die Beteiligten jedoch nicht hin. Hauptsächlich gehe es bei dem Projekt aber darum, Erfahrungen zu sammeln und den eigenen Horizont zu erweitern. "Techniker werden zu-hauf gesucht. Warum sollen es keine Frauen sein?", fragt Brücker. Ja, warum eigentlich nicht?PROBIERWERKSTATTJedes Jahr kommen die Mädchen der siebten und achten Klasse der Hauptschulen Eisenheim und Alstaden für eine Woche an das HBSK. Dort üben sie diverse praktische Tätigkeiten aus. Ziel der Projektwoche ist es, den Mädchen einen Einblick in für sie eher fremde Berufe zu bieten.

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