„Vorfahrt für Ausbildung“ in Oberhausen

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Laut einer bundesweiten Studie der Bertelsmann-Stiftung haben 60 Prozent der Betriebe noch nie einen Auszubildenden mit ausländischen Wurzeln eingestellt. Auf der anderen Seite bieten Unternehmer mit Migrationshintergrund selbst noch zu wenig Lehrstellen an. Im Rahmen der Woche der Ausbildung sprach der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit, Jürgen Koch, darüber mit zwei Oberhausener Unternehmen.

Scheu vor bürokratischen Hürden

„Bei diesem Thema müssen und wollen wir in Oberhausen noch mehr tun“, sagt Koch, als wir im Büro des Taxi-Teams-Oberhausen an den Fahnhorststraße sitzen. Das Motto „Vorfahrt für Ausbildung“ passt hier ganz besonders gut. Die Brüder Sendogan und Sezgin Onur beschäftigen 45 Fahrer – mit und ohne Migrationshintergrund. 15 Taxen und ein Mietwagen umfasst ihr Fuhrpark, dazu gehört eine eigene Werkstatt. Demnächst wollen sie einen Ausbildungsplatz zum Bürokaufmann anbieten. Ihre erste Lehrstelle.

Dass sie dies tun, geht auf eine Informationsveranstaltung des Vereins Müsiad Ruhrgebiet zurück. Dem Netzwerk unabhängiger Industrieller und Geschäftsleute gehören sie erst seit kurzem an. Dort haben sie erfahren, dass sie durchaus ausbilden können, wenn ein paar Voraussetzungen erfüllt sind. „Viele Unternehmer mit Migrationshintergrund bilden nicht aus, weil sie bürokratische Hürden scheuen. Zudem haben viele ihr Unternehmen selbst aufgebaut und mit der alltäglichen Arbeit so viel zu tun, dass sie das Thema Ausbildung erst mal nicht in den Blick nehmen“, weiß der stellvertretende Vereinsvorsitzende, Recep Kocaoğlu. Für ihn ist klar: „Auch wir müssen unseren Verpflichtungen nachkommen und Jugendlichen eine berufliche Perspektive geben.“

Einen herausragenden Schulabschluss erwarten die Taxi-Unternehmer von ihrem Azubi nicht, aber: „Ehrgeiz, Fleiß, Pünktlichkeit, Disziplin, Verantwortungsbewusstsein. Das ist wichtig, weil wir viele Abrechnungen mit den Krankenkassen haben“, sagt Sezgin Onur. Nach der bestandenen Ausbildung winke eine unbefristete Übernahme, verspricht er.

Um ausbilden zu dürfen, muss jemand im Betrieb die Ausbildereignungsprüfung besitzen. Sezgin und Sendogan Onur wollen sie vor der Industrie- und Handelskammer ablegen. „Dauert das lange und kostet das viel?“, fragen sie. „Das geht innerhalb eines halben Jahres“, sagt Agentur-Chef Koch. Die Kosten: ein geringer dreistelliger Betrag. Eine erste Beratung will er zügig einstielen, damit keine Zeit verloren geht: „Das klären wir.“