Von Orten, die Oberhausen prägten

Klaus Oberschewen, langjähriger ehemaliger Fachbereichsleiter der VHS und Vorsitzender des Historischen Vereins Oberhausen-Ost, bietet Stadtrundgänge an.
Klaus Oberschewen, langjähriger ehemaliger Fachbereichsleiter der VHS und Vorsitzender des Historischen Vereins Oberhausen-Ost, bietet Stadtrundgänge an.
Foto: Ulla Emig FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Historischer Rundgang startet im September als regelmäßiges Angebot. Vom Bert-Brecht-Haus zum Keller des St. Josef-Hospitals.

Oberhausen.. Wie erhielt das Bert-Brecht-Haus seinen Namen? Was hat es mit der Freundschaftsschmelze auf sich? Wo trafen sich die Widerstandskämpfer zur Zeit des Nationalsozialismus? Fragen wie diese beantwortet Klaus Oberschewen, Vorsitzender des Historischen Vereins Oberhausen-Ost, ab September bei historischen Stadtrundgängen. Hier ein kleiner Vorgeschmack.

Bislang sind sieben Stationen durch die Innenstadt geplant. Start ist am Bert-Brecht-Haus. „Dieser Ausgangspunkt und sein Namensgeber passen gut zu einer Arbeiterstadt wie Oberhausen“, meint Oberschewen. Schließlich habe Brecht stets einen besonderen Zugang zu Menschen gehabt, „die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen“.

Eine erste Freundschaftsschmelze

Gleich im Anschluss geht es über den Saporoshje-Platz. „In der Sowjetunion war es nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges Tradition, in Freundschaft mit Arbeitern anderer Länder kleine Stahlblöcke zu schmelzen und auszutauschen“, erzählt Oberschewen.

Diese Begegnungen fanden als Zeichen des Friedenswillens statt. „Der Stahl sollte nicht mehr zu Waffen verarbeitet, sondern für zivile Zwecke genutzt werden.“ Im Juni 1973 besuchte eine Delegation aus Saporoshje Oberhausen. Im Siemens-Martin-Werk von Thyssen Niederrhein fand erstmalig in der Bundesrepublik Deutschland eine Freundschaftsschmelze sowjetischer und Oberhausener Arbeiter statt. Daraus entstand 1986 die Städtepartnerschaft zwischen Oberhausen und dem heute ukrainischen Saporoshje.

„Wir sollten den Friedensplatz angesichts der aktuellen Ukraine-Krise wieder mit Aktionen für den Frieden und die Völkerverständigung beleben“, wirft Oberschewen einen Blick in die Zukunft. „Aber nicht mit den Regierungen, die leider allzu oft nur ökonomische Interessen vertreten, sondern mit der Jugend aus beiden Ländern – mit den Schulen, dem internationalen Jugendaustausch Multi, etwa auch der Gewerkschaftsjugend.“

Friedensstiftende Maßnahmen, die von Oberhausen ausgehen? Das wäre nicht einmal etwas Neues – wie der Friedensplatz beweist, der über die beiden Stationen Langemark- und Paul-Reusch-Straße erreicht wird. Dieser Platz war auf Antrag der damaligen Bunten Liste Oberhausen 1983 zur ersten „Atomwaffenfreien Zone“ der BRD erklärt worden, berichtet Oberschewen. Viele Städte hätten diese Aktion kopiert. „Aber der Impuls ging von Oberhausen aus.“

Weiter geht’s zum Pfarrhaus von St. Marien. Joseph Cornelius Rossaint war dort bis 1934 tätig. Obgleich der Kaplan nur fünf Jahre in Oberhausen wirkte, hat er auch hier beeindruckende Spuren im Widerstand gegen das Nazi-Regime hinterlassen.

Der Berliner „Katholikenprozess“ gilt als einer der spektakulärsten der NS-Zeit, inszeniert von Propagandaminister Joseph Goebbels. Der Volksgerichtshof verurteilte Rossaint am 28. April 1937 zu elf Jahren Zuchthaus.

Den Abschluss des Rundgangs bildet das St. Josef-Hospital. „Hitler bedeutet Krieg“, war das Motto einer kleinen Gruppe von Jungkommunisten um den Oberhausener Hans Müller. Um ihre Meinung unters Volk zu bringen, druckten sie ab 1933 im Keller des Josef-Hospitals Flugblätter und Schriften wie die Betriebszeitung „Der junge Babcockarbeiter“. „Getippt wurde auf einer Schreibmaschine, vervielfältigt auf einem Kopierer mit Handkurbel.“

Alle wurden verhaftet. Hans Müller gehörte zu den wenigen, die das Ende des Zweiten Weltkriegs überleben sollten.