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Von der Saalbühne zum Schauspielhaus

15.06.2012 | 12:00 Uhr
Von der Saalbühne zum Schauspielhaus
Schon als es gegründet wurde, hatte das Theater zu kämpfen, damit genügend Zuschauer kamen. Doch die Schauspieler zeigten viele Komödien und nicht so viele Tragödien, so dass sie sich schnell eine große Fangemeinde erspielten.

Oberhausen. Wo Menschen wohnen und arbeiten gab es zu allen Zeiten auch Theater. So auch in Oberhausen. Im Oktober 1859, zweieinhalb Jahre vor der offiziellen Gründung der Gemeinde, lässt sich die erste Vorstellung einer Wanderbühne beim Bahnhofswirt Peter Wirsdorf nachweisen.

Von den angekündigten zwölf Vorstellungen fanden allerdings nur fünf statt: Man mag dies als erstes Zeichen für die stets offen oder latent vorhandenen Schwierigkeiten der darstellenden Künste mit unserer Stadt und ihren Bürgern deuten, trotzdem fanden sich kontinuierlich reisende Theaterleute, die in Oberhausen Station machten und hier viele Komödien, nicht so viele Tragödien, Operetten und sogar die große Oper auf die Gasthausbühnen in der Bevölkerungszahl rasant wachsenden Gemeinde brachten.

Während in den Nachbarstädten des Ruhrgebiets zwischen 1890 und 1915 zahlreiche Theatergebäude errichtet wurden, wurde in Oberhausen 1920 der Saal der Gaststätte „Wilhelmshöhe“ zum Spielort des im Sommer 1920 kurzfristig gegründeten Stadttheaters bestimmt. Dieser Saal, Eigentum der Bürgergesellschaft, ist die bauliche und künstlerische Keimzelle des heutigen Theatergebäudes am Will-Quadflieg-Platz .

Von der Ehe zur Dreierbeziehung

Am 15. September 1920 war die erste Vorstellung: Grillparzers Tragödie „Sappho“ stand auf dem Programm des reinen Schauspieltheaters, das aber schon in der ersten Spielzeit mit Opern- und Operettengastspielen aus Wanne-Eickel ergänzt werden musste. Eine Spielzeit später wurde ein eigenes Opern- und Operettenensemble verpflichtet, das Stadttheater Gladbeck wurde von Oberhausen bespielt, eine erste Theaterehe, die in der Spielzeit 1924/25 zu einer Dreierbeziehung wurde, als die Stadt Hamborn dazu stieß. Aus finanziellen Gründen hielt diese „Ehe“ jedoch nur ein Jahr, bilaterale Gemeinschaften mit Gladbeck und Hamborn schlossen sich an. Die kommunale Neugliederung des Ruhrgebiets 1929, bei der die Städte Oberhausen, Sterkrade und Osterfeld zusammengeschlossen wurden, führten auch zu einer Neuordnung des Theaterwesens.

In Oberhausen wurde der klassische Drei-Sparten-Betrieb eingerichtet und trotz der um 1930 hereinbrechenden Wirtschaftskrise beibehalten. Ab 1933 wurde das Theater in die Propagandamaschinerie des NS-Staates einbezogen. Der „rassenreine“ Spielplan diente der Indoktrination und der Ablenkung durch Unterhaltungsstücke. Mit Hilfe von Zuschüssen des Reiches wurde das Theatergebäude 1939 von der Stadt gekauft und durch Ludwig Freitag um- und ausgebaut. 1943 wurde das Vorderhaus von Bomben getroffen, doch schon 1949 war das Theater von der Stadt Oberhausen durch Friedrich Hetzelt wieder aufgebaut worden. Zwischenzeitlich spielte man im Saal des Sterkrader Hotels „Kaiserhof“.

Sozialleistungen belasten den Etat

Am 10. Und 11. September 1949, pünktlich zum 75-jährigen Stadtjubiläum, wurde das „Neue Haus“ als erstes Theater des Ruhrgebiets mit Schillers Tragödie „Fiesco“, Bizets Oper „Carmen“ und der Operette „Der Bettelstudent“ von Karl Millöcker eröffnet. Ein klassischer Drei-Sparten-Betrieb mit einem eigenen Ballettensemble, das allerdings 1964 als erstes den Sparzwängen der Stadt zum Opfer fiel.

Kohle und Stahl begannen mit dem Rückzug aus dem Ruhrgebiet, der Rückgang der Steuerkraft und das Ansteigen der Sozialleistungen begannen den Etat der Stadt immer stärker zu belasten. 1967 sollten Oper, Operette und das Orchester abgebaut werden. Bürgerproteste und ein Machtwort von Oberbürgermeisterin Luise Albertz verhinderten dies. Abgebaut wurde nur die Oper, die Operette und ein verkleinertes Orchester blieben erhalten. Sechs Jahre später folgte ein erneuter Einschnitt in die Theaterstruktur. Das Schauspiel, das in den 1960er Jahren unter Günther Büch und Axel Corti große Erfolge hatte, wurde eingestellt.

Übrig blieben ab der Spielzeit 1973/74 ein Musiktheaterbetrieb, der jährlich drei Opern, vier Operetten und zwei Musicals produzierte, für die es in Oberhausen und im Umland eine große Zuschauermenge gab. Der damalige Intendant Fritzdieter Gerhards verstand sein Haus als musikalisches Volkstheater in Abgrenzung zu den „großen“ Opernhäusern in den Nachbarstädten. Daneben gab es ein kleines Schauspieler-Ensemble, das mit dem „tip-theater im pott“ erfolgreich Kinder- und Jugendtheater machte, und das auch heute noch ein integraler Bestandteil des jetzigen Schauspiel-Theaters ist.

Vom Musiktheater zum Schauspiel

Ab dem Herbst 1990 wurde im Oberhausener Rathaus erneut darüber diskutiert, den Theaterbetrieb zu verbilligen, also den Zuschussbedarf zu verringern. Die am 21. März 1991 vom Rat beschlossene Lösung sah vor, das Musiktheater vollständig zu schließen und das Theaterorchester abzubauen. Ab der Spielzeit 1992/93 sollte ein neues Schauspielensemble unter Beibehaltung des „tip“ das Theater Oberhausen bilden. Da die Schnittmenge zwischen Musiktheater- und Schauspielbesuchern eher klein ist, bedeutete das einen großen Wechsel in der Struktur des Publikums: Das „Neue Schauspiel“ musste sich ein neues Publikum suchen.

Klaus Weise wurde der Intendant, dem der Aufbaus eines sehr guten Schauspielensembles sowie Zuschauerakzeptanz zu erzielen gelang. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, die vom ganzen Ensemble mit großer Durchhaltekraft gemeistert wurden, ging es steil bergauf. Mehrfache Kritiker-Auszeichnungen als aufstrebendes, später sogar bestes Theater im Rheinland belegen dies. Alle Unkenrufer in der Stadt, die eine Pleite des Schauspiels erhofft oder befürchtet hatten, verstummten angesichts dieser enormen Leistung. Klaus Weise wurde zum Ehrenmitglied des Theater Oberhausen ernannt.

Gerd Lepges



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