Vom Umgang mit Flüchtlingen

Was wir bereits wissen
Intendant und Regisseur Peter Carp präsentiert eine neue Inszenierung von Elfriede Jelineks Stück „Die Schutzbefohlenen“. Premiere am 27. März.

Oberhausen.. Es ist eines der drängenden Probleme in Oberhausen heute, wie die Stadtgesellschaft mit einem wachsenden Zustrom von Flüchtlingen, mit Asylbewerbern, umgeht. Mit der Premiere des Theaterstücks „Die Schutzbefohlenen“ am Wil-Quadflieg-Platz bringt Theater-Intendant und Regisseur Peter Carp das Thema jetzt auch auf die künstlerische Bühne. Dort hebt sich der Vorhang für das 80-minütige Stück am Freitag, 27. März, um 19.30 Uhr im Großen Haus zum ersten Mal.

„Darf wirklich nur bei uns unterkommen, wer politisch verfolgt ist?“ „Oder ist es nicht moralische Pflicht, dass wir unseren Wohlstand mit anderen Menschen teilen?“ „Mit welchem Recht geht es nur einer Minderheit der Weltbevölkerung materiell so gut wie uns Deutschen?“ „Sollten diese sozialen Probleme nicht besser in den Herkunftsländern gelöst werden?“ „Oder ist eine solche Forderung bloß eine Ausflucht, um das Thema verdrängen zu können?“

Die Betroffenen spielen mit

Mit Fragen wie diesen setzen sich in dem Stück vier Menschen aus drei Generationen auseinander. „Sie geraten dabei mit ihren ursprünglichen Standpunkten durchaus ins Wanken“, wie Peter Carp andeutet. Letztlich, verrät der Regisseur, bleibt der Dialog ohne Ergebnis. Aber er regt zum Nachdenken an. Und zur Inszenierung gehört, dass diejenigen, über die gesprochen wird, als Figuren im Schatten allgegenwärtig sind, versteckt eben, „wie in der Wirklichkeit auch“, wie Dramaturg Tilman Raabke betont. Denn ihre Quartiere würden ja meist irgendwo am Stadtrand platziert.

Künstlerisch bestand bei dem Stück der Österreicherin Elfriede Jelinek die Herausforderung darin, dass die Autorin keinen Text in Dialogform verfasst hat. Den musste Tilman Raabke daraus erst entwickeln – mit nachträglicher Zustimmung von Jelineks Verlag.

Auf verschlungenen Wegen gekommen

Zur Einstimmung auf das Thema hat die Theater-Mannschaft den Kontakt mit Akteuren aus dem Betreuer-Netzwerk für Flüchtlinge vor Ort gesucht. Dabei entstand die Idee, die Betroffenen selbst einzubinden. 15 Schüler einer so genannten Auffangklasse des Hans-Sachs-Berufskollegs spielen sich als Statisten auf der Bühne selbst. Einigen der jungen Männer hat Tilman Raabke beigebracht, dem Pub­likum ihren teils verschlungenen Weg nach Oberhausen zu schildern.

Zur Inszenierung von Peter Carp gehören ferner ein ausdrucksstarkes Bühnenbild von Kaspar Zwimpfer sowie eigens dafür komponierte Toneinspielungen von Jan-Peter E.R. Sonntag.

Und weil den Künstlern die Rückkopplung an die Wirklichkeit so wichtig ist, findet am Dienstag, 28. April, um 20 Uhr im Theater eine politische Podiumsdiskussion zum Thema statt.