Vom Golfplatz ins Labor

So sieht er aus: ein Range Tee.
So sieht er aus: ein Range Tee.
Foto: privat
Was wir bereits wissen
Chemiker Holger Wack vom Fraunhofer-Institut „Umsicht“ hat im Team mit einer Industriedesignerin und einem Verfahrensmechaniker ein neuartiges Abschlagshilfsmittel entwickelt. Eigene Golfleidenschaft war der Auslöser.

Oberhausen.. Holger Wack, Chemiker am Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (Umsicht), erholt sich nach Feierabend gerne auf dem Grün eines Golfplatzes. Dabei hat er sich schon so einige Male geärgert: über sogenannte Range Tees, Hilfsmittel, ­mit denen man eine erhöhte und definierte Position für den Ball schaffen kann. Sie gingen schnell kaputt und passten oft nur schlecht in die Abschlagmatten. Seine Lösung: Er hat sich ein neues, ein besseres Range Tee ausgedacht.

Im Team mit den Kollegen Nina Kloster, Industriedesignerin, und Damian Hintemann, Verfahrenstechniker, hat Holger Wack einen für das Vorhaben geeigneten Werkstoff entwickelt. Er nennt sich Elastomerpulver Modifizierte Thermoplaste, kurz EPMT, und soll künftig über das in Dortmund ansässige Unternehmen Ruhr Compounds GmbH vertrieben werden. Unter diesem Dach haben sich Fraunhofer-Mitarbeiter zusammengeschlossen. Die Tees sollen unter dem Markennamen SCI Golf Sports (SCI steht für Science = Wissenschaft) auf den Markt kommen.

Kühlschrankdichtungen

EPMT sind eine neue Klasse innovativer Kunststoffe auf Basis von Elastomerpulvern, die wiederum aus Gummiabfällen bestehen. „Bei dem im Falle der Range Tees genutzten Reststoffe handelt es sich um Kühlschrankdichtungen“, erklärt Wack, stellvertretender Abteilungsleiter Werkstoffsysteme bei Umsicht „Das Material setzt sich zu 75 Prozent aus Elastomerpulvern, also Restoffen, und 25 Prozent Frischware in Form eines schmelzfähigen Kunststoffs zusammen.“ Die Range Tees werden in drei Größen gefertigt.

„Wir passen die Werkstoffeigenschaften von EPMT entsprechend den Anforderungen unseres Kunden an. So sind Härten von gummiartig-weich bis kunststoffartig-hart möglich. Neben der Härte können weitere Parameter wie Optik, Haptik und physikalisch-mechanische Eigenschaften eingestellt werden.“

Um die unterschiedlichen Kundenwünsche zu simulieren und auszutesten, ging es wieder auf den Golfplatz. Nina Kloster begleitete Wack dabei gerne. „Ich als Frau schlage natürlich anders als ein Mann“, sagt sie. Den Spaß am Spiel konnten die Forscher so mit ihrer anderen Leidenschaft, der Wissenschaft, verbinden. Nur Damian Hintemann, der Dritte im Bunde, der die Anlagen steuert, in denen das notwendige Granulat gemischt und geschmolzen wird, konnte noch nicht vom Golfspielen überzeugt werden. „Aber das schaffen wir schon noch“, sagt Nina Kloster.

In der Zwischenzeit arbeitet das Team an einer Weiterentwicklung seines Produkts: ein Range Tee, das nach dem Golfschwung am Schlägerkopf eine Kennzeichnung hinterlässt. Die hilft dem Spieler dann bei der Analyse seines Schwungs.