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Verwirrspiel um Messerstiche

14.10.2008 | 19:06 Uhr

JUSTIZ. Eine Schlägerei an Weihnachten vergangenen Jahres endete für einen 19-Jährigen lebensgefährlich. Wer ihm die zwei Stiche in den Bauch zufügte, blieb auch am zweiten Verhandlungstag unklar.

Das Verwirrspiel der beiden Angeklagten vor dem Landgericht Duisburg ging gestern in die zweite Runde. Dem 18-jährigen Karim A. (alle Namen von der Redaktion geändert) wird vorgeworfen, einen heute 19-Jährigen in der Nacht vom 24. zum 25. Dezember in der Turbinenhalle geschlagen zu haben. Der 24-jährige Jamal B. habe ihn später an der Haltestelle "Im Lipperfeld" zwei Mal mit einem Messer in den Bauch gestochen. Anklage: Körperverletzung und versuchter Totschlag. Das Leben des Opfers rettete eine Operation.

Die Angeklagten warfen schon beim Prozessauftakt am Montag die Tat jeweils dem anderen vor (die NRZ berichtete) und machten es damit unmöglich, nachzuvollziehen, wer zugestochen hatte.

Nun wurden auch die Aussagen über einen bisher unbekannten weiteren Mann in der Gruppe der Marokkaner konkreter und damit der ganze Fall ein Stück komplizierter. Dieser war auf einer Videoaufnahme der Stoag zu sehen und offenbar in die Schlägerei verwickelt.

Der Angeklagte Karim A. hatte dessen Namen am Montag vor Gericht preisgegeben und gestern zusätzlich einige Vorwürfe gegen ihn erhoben. "Egal was ist, keiner soll den Namen meines Bruders nennen", habe dessen Bruder ihm immer wieder gesagt. Er sei "in Osterfeld eine große Nummer", und aus Furcht habe A. den Forderungen nachgegeben. Er sollte die Sache auf sich nehmen und müsste auch nur mit etwa sechs Monaten auf Bewährung rechnen, habe man ihm versichert, während der zu Schützende mehrfach vorbestraft sei und ihm die Abschiebung drohe. Ihn konkret für die Stiche verantwortlich machen wollten beide Angeklagten aber nicht.

Am Donnerstag nun wird das Gericht dessen Aussage hören. Da die Angeklagten seinen Namen auspackten, konnte er ermittelt werden: Er verbüßt eine Haftstrafe in Duisburg.

Immerhin ein grobes Bild von den Geschehnissen festigte sich bislang: Nach dem Streit in der Turbinenhalle (Karim A. bestreitet den Schlag ins Gesicht nicht) provozierte die Gruppe das Opfer weiter. Die Sache könne "draußen geklärt werden", wenn er sich "traue".

Das Opfer blieb wohl nicht so ruhig, wie er vor Gericht behauptet hatte. Der Polizei sagte er, er sei wütend gewesen und mit einer Bierflasche bewaffnet hinter der Gruppe her. "Er ist jemand, der sich leicht provozieren lässt", schilderte gestern einer der Polizisten seinen Eindruck vom Opfer. "Er wurde gelockt, das eins zu eins zu regeln." Beim Zweikampf blieb es aber nicht. Das Opfer habe sich gegen die komplette, etwa zehn Mann starke Gruppe wehren und dabei die Messerstiche einstecken müssen.

JULIAN WEIMER

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