Verdi vermutet Tricksereien in Oberhausener Firmen

Seit dem 1. Januar gilt der Mindestlohn in Deutschland.
Seit dem 1. Januar gilt der Mindestlohn in Deutschland.
Was wir bereits wissen
Seit diesem Jahr gilt der gesetzliche Mindestlohn. Die Gewerkschaft Verdi vermutet, dass sich viele Oberhausener Firmen sich nicht daran halten.

Oberhausen..  Der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro brutto pro Stunde gilt seit dem 1. Januar. Die Gewerkschaft Verdi beobachtet seitdem auffällig viele Nachfragen dazu von Minijobbern unter ihren Mitgliedern. Ihr Eindruck: Etliche Firmen versuchten, sich vor der Zahlung des Mindestlohns zu drücken. Das geschieht nach Einschätzung von Henrike Greven, Verdi-Geschäftsführerin für Oberhausen und Mülheim, auf trickreiche Weise.

Da werde der Betrieb vom Mann auf die Frau umgeschrieben oder umgekehrt und damit die Ausstellung neuer Arbeitsverträge mit neuen Konditionen begründet, sagt Greven. Und danach müsse dann in der weniger Zeit die gleiche Arbeit erbracht werden, würden etwa für die Reinigung eines Büros nur noch 60 statt zuvor 90 Minuten Zeit angesetzt. Oder Vor- und Nacharbeiten wie die Bestückung der Theke in der Metzgerei oder das Vorzählen und Abrechnen des Kassenbestandes durch die Kassiererin würden nicht mehr zur Arbeitszeit gezählt, ähnlich die Wartezeiten des Schulbusfahrers vor dem Schwimmbad. Oder Zuschläge wie der für Spätarbeit an der Tankstelle würden gestrichen.

Januarabrechnung genau prüfen

„Das müsst ihr euch nicht gefallen lassen“, sagt Henrike Greven. Deshalb sollten die Beschäftigten sich ihre Januar-Abrechnung genau anschauen. „Habt ihr wirklich mehr oder für das gleiche Geld weniger gearbeitet?“ Darauf komme es beim Mindestlohn ja an.

Wenn das nicht der Fall ist, sollten Verdi-Mitglieder sich unbedingt von Rechtsschutzsekretärin Silvia Birnbaum beraten lassen. „Wenn wir bei einer Firma eine Häufung solcher Verstöße entdecken, gehen wir damit an die Öffentlichkeit“, kündigt Henrike Greven an. Auch im Interesse der vielen Firmen, die ordnungsgemäß arbeiten würden, müssten die Schwarzen Schafe beim Namen genannt werden.

Angelegenheiten werden vertraulich behandelt

„Im konkreten Einzelfall wird der Differenzbetrag dann geltend gemacht“, sagt Silvia Birnbaum. Notfalls müsse er eben eingeklagt werden. „Das ziehen wir dann durch“, so die Juristin. Meist komme es aber nicht so weit.

„Nicht alles endet im Eklat“, weiß Henrike Greven aus ihrer Erfahrung. Denn auch viele Arbeitgeber hätten durchaus Besseres zu tun, als sich vor Gericht zu streiten. Außerdem hätten sie meist überhaupt kein Interesse daran, gute Leute zu verlieren. Einige Chefs würden es halt einfach mal versuchen, sich am Mindestlohn vorbei zu mogeln.

Selbstverständlich würden die Angelegenheiten der Verdi-Mitglieder vertraulich behandelt. Es gilt die Schweigepflicht. Und kein Schritt erfolgt ohne Absprache.