Vater würgt sein Kind im Stoag-Bus - Niemand schreitet ein

In einem Linienbus beobachtete die junge Frau, wie ein Vater gewalttätig gegen seinen kleinen Sohn wurde. Sie mischte sich ein - sonst niemand.
In einem Linienbus beobachtete die junge Frau, wie ein Vater gewalttätig gegen seinen kleinen Sohn wurde. Sie mischte sich ein - sonst niemand.
Foto: Ulla Emig
Was wir bereits wissen
Elena Höflich schildert, wie ein Vater sein kleines Kind im Linienbus würgt. Die 16-Jährige und ihre Cousine sind entsetzt, dass niemand einschritt.

Oberhausen.. Zivilcourage ist ein heikles Thema. Sich bei Gewalt in der Öffentlichkeit einzumischen ist weitaus schwieriger, als den Blick abzuwenden. WAZ-Leserin Elena Höflich beschreibt einen Vorfall, bei dem sie nicht weggucken konnte. Andere aber sehr wohl.

Elena und ihre Cousine waren mit der Buslinie SB91 auf den Weg ins Centro. Der Bus sei voll gewesen. „Nach kurzer Zeit machte mich meine Cousine darauf aufmerksam, dass ein Mann seinen Sohn schlägt“, erzählt Elena aufgebracht.

Keine Regung bei den Umstehenden

Auf etwa fünf Jahre schätzt Elena das Kind. Die Cousinen beobachten das Geschehen weiter. Plötzlich hätte der Mann mit beiden Händen den Hals des kleinen Jungen ergriffen und ihn gegen die Fensterscheibe gedrückt.

„Das Kind hat geheult und geschrien“, beschreibt Elena die Szenerie mit Entsetzen. Drum herum: keine Regung. „Ich konnte nicht anders, ich musste einschreiten“, sagt sie. Sie stellt den Mann laut zur Rede und fordert ihn auf, seinen Sohn in Ruhe zu lassen.

Entsetzt über Passivität

Der sei doch schließlich nicht sein Eigentum. Der Mann sei überrascht gewesen, dass sie sich einmischte. Hätte dann aber entgegnet: „Natürlich ist das mein Eigentum. Halt dich raus!“ Das alles hätten die restlichen Fahrgäste mitbekommen. Zu Hilfe kam Elena niemand. „Ich habe vor Wut fast geheult. Gewalt gegen Kinder geht gar nicht.“

An der nächsten Station stiegen die Mädchen und einige andere Fahrgäste aus. „Sie sagten uns, dass es richtig war einzuschreiten. Sie selbst aber Angst hatten, etwas zu tun.“ Was weiter im Bus geschah, weiß Elena nicht. Die Mädchen sind entsetzt, dass niemand half.

Stoag ist der Fall nicht bekannt

Michael May, Vorsitzender vom Kinderschutzbund Oberhausen, weiß um das Problem bei Gewalt von Eltern gegen die eigenen Kinder: „Wann ist Anschreien noch in Ordnung, wann psychische Gewalt?“, fragt er. Die Beurteilung sei sehr subjektiv und öffnet Tür und Tor für Leute, die nichts tun und sich bei unterlassener Hilfeleistung auf die eigene Einschätzung zurückziehen könnten. Bei diesem Fall sollte aber wohl der gesunde Menschenverstand ausreichen. „Da gibt es keine Ausreden.“

Bei dem Nahverkehrsunternehmen Stoag ist der Fall nicht bekannt. Zwar sind zwei Drittel aller Busse mit Kameras ausgestattet. Die Aufnahmen müssen aber aufgrund von Datenschutzbestimmungen nach zwei Tagen gelöscht werden. Stoag-Vorstand Werner Overkamp mahnt aber zur Zivilcourage: „Gerade bei Kindern muss man einschreiten“, sagt er. Und Hilfe beim Busfahrer suchen. Die sind im Ernstfall dazu angehalten, das Fahrzeug zu stoppen und die Polizei zu alarmieren.