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Unter Mond und Sternen hat vieles Platz

25.10.2009 | 16:07 Uhr

Die Stadtbibliothek bat zur dritten Literaturnacht - und viele kamen.

Zuerst ein Feuerwerk, dann betete Schauspielerin Veronika Maruhn aus einem Fenster im zweiten Stock der Stadtbibiliothek den Mond an - und schließlich regnete es Glitzersterne aus den Fenstern des Bert-Brecht-Hauses. So sah der stimmungsvolle Beginn der Literaturnacht in und um die Stadtbibliothek aus.

Tausende Sterne aus Silberpapier regnen auf die Besucher vor dem Bert-Brecht-Haus. Foto: Christoph Wojtyczka

Der passte auch bestens zum Motto: Mond und Sterne. Unter den Klängen von „Der Mond ist aufgegangen” konnte sich die große Menschentraube vor dem Bert-Brecht-Haus dann auch gut eingestimmt zu den unterschiedlichsten Veranstaltungen verlaufen. Im Himmelszelt wurde ein echter Hochkaräter erwartet: Feridun Zaimoglu, Autor des bekannten Buches „Kanak Attack”, das die Vorlage für den gleichnamigen Film bildete. Der frisch von der Frankfurter Buchmesse kommende Autor las aus seinem aktuellen Roman „Hinterland”. Auf der Buchmesse habe man sich gewundert, dass in seinem Buch Wichtelmänner vorkämen, erzählte Zaimoglu. Vor dem Bert-Brecht-Haus wundert sich kaum jemand. Zu gut passte die zwischen Real- und Fantasiewelt wechselnde Geschichte zum Motto vom Mond und den Sternen. Eine reale Liebesgeschichte und die Fantasiewelt der Wichtelmänner sind darin untrennbar verwoben. „Vielleicht hatte sie angeklopft, vielleicht war sie einfach hereingekommen: Die Liebe”, liest Zaimoglu. An einer anderen Stelle heißt es: „Ein Zwerg ist eine belebte Torfknolle im Nebelmantel.” Sätze, die einen mitten in der Oberhausener Innenstadt meilenwert davontragen können. Das ist ohnehin ein Reiz dieser Veranstaltung: Drinnen kann man sich in die Fantasiewelten der Literatur entführen lassen, draußen fährt ein Auto mit Techno-Musik vorbei. Ach ja, es ist Freitagabend.

(v. re.) Edwina Erner, Kirsten Meyer und Saniye Özkaya suchen Bücher auf dem beliebten Bücherbummel mit Antiquaren aus dem Ruhrgebiet vor dem Bert-Brecht-Haus. Foto: Christoph Wojtyczka

Da ist es nicht leicht, auch die Jugendlichen anzusprechen. Oder doch? Im Waschsalon um die Ecke ist es proppenvoll. Die Poetry Slammer stehen dort auf der Fensterbank, geben Selbstgeschriebenes zum Besten, und die überwiegend jugendliche Menge ist begeistert – zu Recht. Was die Poeten da vortragen, hat es wirklich in sich. Gedichte über „Pfannkuchenbeziehungen” oder Essays zur Datenschutzdebatte – es findet alles Platz unter Mond und Sternen.

Ein Highlight ist auch die sehr gut besuchte Lesung von Schauspielerin Nina Petri mitten zwischen den Büchern der Stadtbibliothek. Sie liest Szenen von Dorothy Parker so lebhaft vor, dass beim Zuhörer im Kopf ein wahres Theaterstück entsteht. Das Publikum hört gebannt zu. Da war die Literaturnacht aber noch lange nicht zu Ende. Von einem Ende kann ohnehin nicht die Rede sein. Wenn die Literaturnacht auf eines Lust gemacht hat, dann auf ein neues Buch.

Andreas Eichhorn

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