Ungleiche Nachbarn in Oberhausen-Lirich

Ein Hauch von großer weiter Welt: Das Tankschiff Bohemia ist in die Schleuse in Lirich eingefahren.
Ein Hauch von großer weiter Welt: Das Tankschiff Bohemia ist in die Schleuse in Lirich eingefahren.
Foto: WAZ-FotoPool
Was wir bereits wissen
Für das moderne Europa von heute steht der Schiffsverkehr an der Schleuse des Rhein-Herne-Kanals in Oberhausen. Nebenan liegt der Soldatenfriedhof.

Oberhausen.. Einen Hauch von großer weiter Welt umweht den, der auf der Brücke der Schleuse in Lirich Halt macht. Hierhin geleitet Gästeführerin Silvia Golz für den vorletzten Teil der Serie über „Faszinierende Orte“ in Oberhausen. Schiffe aus aller Herren Länder lassen sich hier ein paar Meter anheben oder absenken, um dann ihre Fahrt fortzusetzen. Gerade steht das der Bohemia bevor, einem deutschen Tankschiff von knapp 2400 Tonnen Gewicht. Millimetergenau steuert ihr Kapitän sie zwischen den Wänden des 190 Meter langen Schleusenbeckens hindurch. Gleich nebenan, auf dem riesigen Westfriedhof, ist von großer weiter Welt nichts mehr zu spüren. Der parkähnliche Charakter täuscht darüber hinweg, dass es hier um die ewige Ruhe, um die letzten Dinge, geht.

Aber noch steht Silvia Golz auf der Brücke über der Bohemia, die sich langsam absenkt, um schließlich ihre Fahrt in Richtung Ruhrort fortzusetzen. Der nächste Tanker trudelt ein, diesmal kanalaufwärts. Ein Arbeiter ist mit einem Radlader auf dem Schleusengelände unterwegs. Ältere Herren auf Fahrrädern halten kurz Ausschau an der Schleuse und fahren dann weiter. Die Hinweisschilder zeigen es an: 7,6 Kilometer nach Westen bis Duisburg-Mitte, nur halb so weit bis Duisburg-Meiderich, fünf Kilometer bis zum Centro und 2,8 Kilometer bis zum Stadion Niederrhein.

Städtische Westfriedhof am Rand der Großstadt

„Als Kind durfte ich mal mit ei­nem Verwandten auf so einem Schiff eine Woche mitfahren“, erzählt Silvia Golz. Das sei ein schönes Erlebnis gewesen. Jetzt aber tritt sie zur Seite, denn eine Wolke mit Dieselruß weht von unten hoch.

Eine schmale Straße säumt die Schleuse an ihrem Westufer. Daran grenzt direkt der städtische Westfriedhof. Abgelegen am Rand der Großstadt. „Er ist per Bus ganz gut an Buschhausen, Sterkrade und Oberhausen-Mitte angebunden“, sagt Silvia Golz.

Kilometerlang Allee

Eine kilometerlange, breite Allee durchzieht ihn von Norden nach Süden. Sie wird an Soldatengräbern aus dem Ersten Weltkrieg mit einem Mahnmal für sie unterbrochen. Dort sind noch Kränze zum Volkstrauertag aufgeständert. Aus welch furchtbarem Anlass man doch früher Ländergrenzen überschritt. Wie friedlich demgegenüber heute ne­benan, auf dem Wasser, der Güteraustausch vonstatten geht. Leicht verschwenkt setzt sich die Allee hinter den Soldatengräbern fort.

Weiter nördlich steht eine Trauergemeinde auf dem breiten Weg zusammen. Ansonsten ist der Friedhof fast menschenleer. Der Lärm eines Rasenmähers stört die Friedhofsruhe. Als er endlich abgestellt wird, wird das Rauschen der benachbarten Autobahn 3 hörbar. In der pulsierenden Rhein-Ruhr-Region ist es eben nichts mit völliger Stille.