Ungerecht und falsch

Arbeitslose Jugendliche. Die Überschrift lässt erwarten, dass Frau Dött sich für eine bessere Förderung von Jugendlichen, besonders der benachteiligten Jugendlichen einsetzen will. Was dann jedoch als Statement folgt, sind „Angriffe“ auf die Jugendlichen. Sie sind nicht flexibel, ihnen fehlen die Softskills und auch Zitat: „an grundlegendem Schulwissen hapert es häufig schon“. Für die Misere auf dem Ausbildungsstellenmarkt die Jugendlichen verantwortlich zu machen, geht stramm am Ziel vorbei.

Wo bleibt unsere gesellschaftliche Verantwortung, wo bleibt die Verantwortung der Betriebe? Die Mittel für die Förderung von Jugendlichen auf den verschiedensten Ebenen wurden in den letzten Jahren, besonders in den Jahren der Schwarz-Gelben-Bundesregierung, konsequent gekürzt. Leider stellen sich viele Betriebe trotz des Ausbildungskonsenses ihrer Verantwortung nicht. Sie betreiben „Bestenauslese“. Gäbe es hier vor Ort nicht sehr viele Handwerksbetriebe, die sich der Verantwortung stellen, würde sich die Situation noch schlechter darstellen.

Auf die Frage „Wer muss sich denn mehr bewegen: Betriebe oder Bewerber?“ kann die Antwort nicht lauten – Zitat: „Betriebe tragen eine gewisse Verantwortung“, sondern sie kann nur lauten: Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe die Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen. Hier müssen alle ihren Beitrag leisten. Die hierzu eindeutig stärkeren Partner in diesem Zusammenspiel sind die Arbeitgeber und die öffentliche Hand. Die Schuld pauschal Jugendlichen in die Schuhe zu schieben, ist mehr als ungerecht und falsch. Es ist vielmehr zwingend erforderlich, gemeinsam darüber nachzudenken, wie man tatsächlich zielgerichtet eine Förderung der Jugendlichen mit den notwendigen Mitteln unterstützen kann und welche Maßnahmen hier die richtigen sind. Ich würde mir von einer Bundestagsabgeordneten hier eine wesentlich differenziertere und ausgewogene Sichtweise wünschen.