Thomas Anders über Bohlen - "Modern Talking 3.0 wird es nicht geben"

Das war einmal - und ein neuerliches Comeback ist wohl ausgeschlossen: Das Popduo „Modern Talking“ mit Thomas Anders (li.) und Dieter Bohlen.
Das war einmal - und ein neuerliches Comeback ist wohl ausgeschlossen: Das Popduo „Modern Talking“ mit Thomas Anders (li.) und Dieter Bohlen.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Thomas Anders singt im Sommer Hits von Modern Talking in Oberhausen und auf Schalke. Im Interview spricht er über DSDS, Dieter Bohlen, Helene Fischer und das Ruhrgebiet.

Oberhausen.. Thomas Anders (52) bildete mit Dieter Bohlen das kultige Gesangsduo Modern Talking. Im Sommer tritt er als Solist beim Schlager-Festival „Oberhausen Olé“ (13. Juni) auf und auch bei „Olé auf Schalke“ (9. Mai) will Anders nicht mit Klassikern wie „Cheri, Cheri Lady“ geizen.

Im Interview mit Dirk Hein spricht er über Dieter Bohlen, Chancen auf ein erneutes Comeback von Modern Talking und wie sich der Schlager verändert hat.


Wann haben Sie das letzte Mal herzlich Olé gerufen?
Thomas Anders: Das mache ich immer, wenn ich auf der Bühne stehen. Ich habe diesen Titel „No Face, No Name, No Number“ und der ist sehr spanisch angehaucht. Am Schluss kommt der Ausspruch der Freude, Olé. Aber fairerweise muss ich sagen, dass Olé sonst nicht zu meinem täglichen Sprachgebrauch gehört.

Helene Fischer - zwischen Pop und Schlager

Sie sind im Sommer als Special Guest bei den Olé-Festivals unter anderem in Oberhausen und auf Schalke dabei. Fühlen Sie sich unter so vielen Schlagersängern wohl?
Anders: Ich kenne viele der Künstler natürlich. Das Konzept hat sich in den letzten Jahren ja verändert. Das ist eigentlich Crossover und nicht nur Schlager. Im vergangenen Jahr war Scooter dabei und die machen ja keinen klassischen Schlager. Aber auch ein Andreas Gabalier zählt dazu. Wir müssen uns davon verabschieden, alles in eine Schublade zu legen. Schlager, Popschlager, Pop gibt es immer weniger, weil viele Stücke längst übergreifend funktionieren.

Riesenparty Wo fällt Ihnen so etwas auf?
Anders: Bei Helene Fischer ist „Atemlos“ deutsch, also sagen die Leute, das ist Schlager. Aber die Produktion ist absolut Pop. Es ist eine Popgeschichte. Gleiches gilt für Modern Talking, die Produktion ist Pop. Wenn ich aber „Cheri, Cheri Lady“ nehme und darauf einen deutschen Text mache, würde man sagen, das ist ein Schlager. Wichtig ist doch, dass die Menschen Freude haben und etwas zum Nachsingen.


Warum gilt Schlagermusik als bodenständig?
Anders: Das stammt noch aus vorhergehenden Generationen. In den 70er und 80er Jahren hatte Schlager eine ganz andere Anmutung. Das war die Zeit von Chris Roberts und Jürgen Marcus. Dieses Genre gibt es kaum noch. Die Produktionen gehen immer mehr in die Poprichtung.

Im Ruhrgebiet den Job gelernt

Was verbinden Sie mit dem Ruhrgebiet?
Anders: Die Gegend ist nicht so weit für mich. Ich kann bequem mit dem Auto hinfahren und muss in keinen Flieger steigen. Meine ersten Diskothekenauftritte vor mehr als 35 Jahren waren im Ruhrgebiet. Am Anfang bin ich vor 50 Leuten aufgetreten. Da habe ich meinen Job gelernt.

Ennio Morricone Was gefällt Ihnen besser: der kleine Club oder das große Festival?
Anders: Das kommt darauf an, wie man sich fühlt. Ich hatte zuletzt eine Show in Danzig mit 6000 Zuschauern. Da kommt eine Energie rüber, die ein Club nie transportieren könnte. Aber bei kleinen Auftritten sehe ich viel mehr von den Gesichtern der Leute. Beides hat also seinen Reiz.

Wie wollen Sie bei den Olé-Konzerten ein so großes Publikum packen?

Anders: Man kann das Publikum nicht mit der Sprache führen. Da lässt man keine Entertainment-Dialoge los, weil die Verzögerung viel zu groß ist. Da geht es um: Hit auf Hit auf Hit. Die Leute sollen durch die Musik angesprochen werden: „You’re my heart, you’re my soul“ oder „Brother Louie“.

Wünsche des Publikums respektieren

Einige Künstler haben mit ihrer Vergangenheit abgeschlossen. Was verbinden Sie mit Ihren alten Songs?
Anders: Ich mische das gerne. Ich singe Modern Talking und eigene Solo-Songs. Das ist alles mein Leben. Die Leute kennen mich durch Modern Talking. Ich kann Künstlern nur raten, dass sie Wünsche des Publikums respektieren sollten. Ich muss mich nicht verbiegen, wenn ich „Cheri, Cheri Lady“ singe, weil ich die Musik mag. Bei der Olé-Party kommen nur Hits – und Gott sei dank, habe ich genug davon. (lacht)

Sie sind viel unterwegs, was fragen Sie die Leute auf der Straße?
Anders: Dazu muss ich sagen - die Autogrammkarte stirbt aus und Selfies sind „in“. Ich weiß nicht, wann ich die letzten Karten herausgegeben habe. Das hat sich schon verändert. Die Leute behandeln mich ansonsten mit großem Respekt.

Thomas Anders: "Ich bin kein Typ, der in der Vergangenheit gräbt"

Trauern Sie etwas in Ihrer Vergangenheit nach?
Anders: Ich bin kein Typ, der gerne in der Vergangenheit gräbt und sagt, früher war alles besser. Leute, die das sagen, die haben für mich das Heute verpasst. Jede Zeit hat etwas Besonderes. Es war nicht einfacher, sondern anders. Ich liebe das Jetzt.

Es kursiert das Gerücht, dass Sie in den 90er Jahren die Musik der Disney-Zeichentrickserie „Duck Tales“ eingesungen haben. Stimmt das?
Anders: Das wurde ich schon mal gefragt, aber das stimmt nicht. Wahrscheinlich hat jemand gedacht, dass die Stimme ähnlich klingt. So etwas macht sich im Internet schnell selbstständig und man bekommt so etwas nicht mehr heraus. Also gut, dass Sie fragen: Ich bin es nicht!

DSDS Verfolgen Sie den Werdegang Ihres ehemaligen Sangeskollegen Dieter Bohlen und schauen Sie sich „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) an?
Anders: Eigentlich nicht. Ich bin selten zu Hause, wenn es läuft. Ich bin sehr musikinteressiert, aber dort es geht nicht um Musik, sondern um das Format. Stimmkatastrophen dürfte man dort ja eigentlich gar nicht zu sehen bekommen, aber sie werden vorgeführt, weil es den Unterhaltungswert der Sendung steigert. Jeder, der glaubt, dass er durch eine Sendung zum Superstar wird, der liegt falsch. Wenn ich Spaß haben will, muss ich kein Fernsehen gucken.

Thomas Anders plant Shows in den USA

Könnten Sie sich vorstellen, mit in der Jury zu sitzen?
Anders: Bei DSDS fällt es schwer.

Was machen Sie nach den Olé-Festivals?
Anders: Im Sommer gebe ich meine erste Show in Los Angeles in der Starlight Bowl und bin im September in New York. Ende September kommt ein neues Album heraus. Das Jahr ist durchgetaktet. Es gibt schon Buchungen für 2017.

Würden Sie zu einem neuerlichen Comeback von „Modern Talking“ Ja sagen?
Anders: Das wird nicht mehr passieren, da sind Dieter und ich uns relativ einig. Jeder hat seinen Lebensweg gefunden. Ich würde es nicht gut finden, es noch einmal aufzuwärmen. Ein Teebeutel, der zum dritten Mal im Wasser ist, da kommt auch keine große Kraft mehr herum. Modern Talking 3.0 wird es nicht geben.