Theater Oberhausen zeigt Trip ins eigene Bewusstsein

Eine Szene aus „Gier und Bescheidenheit“ mit Elisabeth Kopp, Anna Polke  und Peter Waros.
Eine Szene aus „Gier und Bescheidenheit“ mit Elisabeth Kopp, Anna Polke und Peter Waros.
Foto: Theater Oberhausen
Was wir bereits wissen
Am Theater Oberhausen hat die hervorragend gemachte Ensemble-Eigenproduktion „Gier und Bescheidenheit“ Premiere gefeiert.

Oberhausen.. Die letzte Premiere der Spielzeit brachte ein von vier Ensemblemitgliedern gemeinsam konzipiertes, inszeniertes und dargestelltes Kaleidoskop von assoziativen Texten rund um „Gier“ und „Bescheidenheit“ auf die Bühne.

Die Gier, die Sucht nach Mehr und Mehr, eine der sieben Todsünden, wird kontrastiert mit der Bescheidenheit, der bewussten Zurücknahme eigener Wünsche. Die Addition beider Begriffe im Projekt-Titel erzeugt schon die Spannung, die Elisabeth Kopp, Anna Polke, Anja Schweitzer und Peter Waros in eine siebzigminütige szenische Aktion umgesetzt haben.

Doppelstockpodium und vier elegant gekleidete Darsteller

Im Malersaal steht ein von Maria Eberhardt gestaltetes Doppelstockpodium, das, wie bei Nestroy, zu ebener Erde und im ersten Stock zwei Spielflächen bietet. Die vier Darsteller wurden von Joana Gansa schlicht, aber elegant sandfarben gekleidet, halten Sektgläser in der Hand und plaudern im noblen oberen Stockwerk über die gerade gesehene Aufführung der Wahnsinnsoper „Lucia di Lammermoor“. Es wird spät, der edle Hausherr bietet eine Übernachtungsmöglichkeit an, die von den drei Damen teils mit Gier, teils mit Bescheidenheit angenommen wird.

Es geht dazu ins Untergeschoss der Bühne, aber auch in die Tiefen des eigenen Bewusstseins, dass es eine wahre Freud‘ ist. Enigmatisch und assoziativ gibt es einen Gang durch die Kulturgeschichte mit buddhistischem Abendgebet und Anspielungen auf die Freimaurerei des Hausherrn. Nach der Nacht verabschieden die drei Damen sich vom Hausherrn. Es bleibt die Erinnerung an die wahnsinnige Lucia aus dem schottischen Lammermoor.

Verdienst des Theater-Hausherrn Peter Carp

Dass ein solches Ensembleprojekt auf die Bühne kommt, ist ein großes Verdienst des Theater-Hausherrn. Peter Carp versteht es in seiner Bescheidenheit immer wieder, die Gier seiner Schauspieler und Schauspielerinnen, ihr großes Kreativpotenzial für solche Abende zu nutzen.

Am kommenden Samstag (20. Juni) ist „Gier und Bescheidenheit“ noch einmal im Malersaal zu sehen.