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Teure Tierliebe

08.07.2008 | 18:35 Uhr

Zwölf Prozent zusätzlich dürfen die Tierärzte für ihre Behandlungen kassieren. Die neue Gebührenordnung ist seit gestern in Kraft. „Das hört sich erst mal viel an”, weiß Melanie an Haack, Kammervorsitzende der Tierärzte in Oberhausen. Sie gibt zu bedenken: „Das ist für uns die erste Erhöhung seit zehn Jahren.” Dennoch müsse nun kein Tierhalter Unsummen befürchten. „Die meisten werden den Preisanstieg gar nicht bemerken, weil die Kollegen nur maßvoll erhöhen wollen.” Denn: „Es liegt ja niemandem daran, sich die Besitzer unserer Patienten zu vergraulen.” Melanie an Haack wertet die Erhöhung für die Tierärzte eher als Inflationsausgleich und als Zeichen, „dass wir auch mal eine Gehaltserhöhung verdient haben”. Wer sich über stark schwankende Preise unter den Tierärzten wundere, solle sich vor voreiligen Schlüssen hüten. Denn: „Auch die alte Gebührenordnung ließ Abrechnungen zum einfachen oder wahlweise zweifachen Satz für ein und dieselbe Behandlung zu.” Außerdem: „Es gab schon immer unterschiedliche Bewertungsansätze. Wenn ich eine allgemeine Untersuchung vornehme, mir dann speziell die Ohren noch einmal anschauen soll, kann auch das extra in Rechnung gestellt werden.” Melanie an Haack weiter: „Die einen machen das dann, die anderen lassen es. So kann es zu Preisschwankungen von 50 bis 80 Euro kommen.” Kollegin Doris Lüßen weist aber auch darauf hin: „Die meisten Kollegen verzichten gerade bei Kleintieren sogar auf einen Teil ihres Honorars. Wer einer Maus drei Spritzen geben muss, berechnet in der Regel doch nur eine.” Was sagen die Betroffenen? Nein, nicht die Tierhalter. Am Ende sind es doch Tierheim und Tierschutzverein, die das Elend ausbaden müssen. Oder? „30 000 Euro müssen wir im Jahr allein für Tierarztkosten aufwänden”, beziffert Werner Tackenberg, Vorsitzender des Tierschutzvereins. Zwölf Prozent draufgerechnet – „das ist eine Menge Holz.” Zur Erinnerung: Der Verein finanziert sich aus Spenden und Trödelmärkten, um die rund 8000 Euro Mitgliedsbeiträge so weit zu strecken, dass man noch so eben auf Null komme. Eine Mehrbelastung etwa dadurch, dass Tierbesitzer infolge der steigenden Kosten nun verstärkt ihre Schützlinge abgeben, sei zumindest bei Hunden nicht gegeben. Seit 2000 nämlich herrscht gesetzliche Pflicht, Hunden ab einer gewissen Größe einen Chip unter die Haut zu spritzen. Mit dem entsprechenden Lesegerät kann so exakt ermittelt werden, wer der Halter ist. „Seitdem sind solche Fälle ganz massiv zurückgegangen”, erklärt Monika Schnädter, die beim Tierschutzverein ohnehin mehr für Katzen zuständig ist. 14 wurden allein im vergangenen Monat ausgesetzt. Die meisten übrigens bei beginnender Geschlechtsreife, also mit sieben, acht Monaten – denn auch eine Kastration kostet. Ebenso wie Impfungen, Behandlungen bei Zahnerkrankungen oder Durchfall; „da kommt es auf die zwölf Prozent mehr beim Tierarzt fast auch schon nicht mehr an” – viele vermeintliche Tierfreunde, oftmals auch die sozial schwächeren, würden sich eben nicht genügend Gedanken machen und meinen, Futter und Streu würden reichen, beklagt Monika Schnädter. „Viele schaffen sich Tiere unüberlegt an”, bestätigt Marion Niederdorf vom Tierheim in Mülheim, das auch für Oberhausener Findlinge zuständig ist.

Marc Oliver Hänig und Barbara Hoynacki

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