Teufelskreis durchbrechen

Das Leben von Suchtkranken ist oft geprägt durch Halt- und Hoffnungslosigkeit, das Leben ergibt für sie so richtig keinen Sinn. Wenn sie aber das Gefühl haben, gebraucht zu werden, nützlich zu sein, dann gibt es Hoffnung darauf, das Leben in den Griff zu bekommen. Deshalb ist es gut, den Versuch zu wagen, die Trinkerszene am Altmarkt zur Arbeit zu motivieren. Wenn’s funktioniert, wäre es eine Win-Win-Situation. Die Oberhausener profitieren von der Sauberkeit, die sie so oft vermissen, die Suchtkranken haben eine Aufgabe und weniger Zeit für Pöbeleien.

Natürlich wird der eine oder andere den Stundenlohn dafür verwenden, um Alkohol zu kaufen. Aber wenn nur einer schafft, den Teufelskreis zu durchbrechen und sein Leben in den Griff zu bekommen, ist es ein Erfolg. Ende März haben wir in der NRZ über das Projekt „Aktiv im Stadtteil“ in Styrum berichtet. Dort haben arbeitslose und gesundheitlich beeinträchtigte Männer und Frauen Bauminseln gesäubert, Spender für Hundekotbeutel erneuert und Unrat aufgesammelt. Teilnehmer Willi zum Beispiel hat diese Aufgabe aus seiner Alkoholsucht und Depressivität geholfen. Auch in Essen sagen Teilnehmer des „Pick up“-Projektes, dass sie wieder als Teil der Gesellschaft begreifen, Lob von Passanten bekommen. Das erfüllt ihr Leben mit Sinn, sie müssen ihn weniger im Alkohol suchen. Und sie denken darüber nach, wie sie ihr Leben verändern können. Das ist ein wichtiger Schritt. Jeder hat eine zweite Chance verdient.