Tagelang auf Sterbeurkunde gewartet

Die Trauer, aber auch die Wut ist Gülsen H. (Name geändert) anzumerken: ihre Mutter ist erst vor zwei Wochen, am 30. Dezember, gestorben – daher die Trauer. „Die Sterbeurkunde von der Stadt habe ich jedoch erst am 5. Januar ausgestellt bekommen“, erklärt sie ihre Wut. Schließlich hätte ihre Mutter, die 1964 nach Oberhausen gekommen war, zu diesem Zeitpunkt längst in ihre türkische Heimatstadt überführt und beigesetzt worden sein sollen. „Der 5. Januar ist ihr Geburtstag, außerdem schreibt der Islam eine schnelle Beisetzung vor.“ Die NRZ hakte bei der Stadt nach, wie es zu der Verzögerung kommen konnte.

„Es ist gesetzlich geregelt, dass bis zum dritten Werktag nach dem Tod eine Sterbeurkunde ausgegeben werden muss“, berichtet Stadtsprecher Uwe Spee auf Anfrage. Diese Frist sei auch in diesem Falle eingehalten worden. „Über den Jahreswechsel hatte das zuständige Standesamt, wie auch die restliche Verwaltung, geschlossen. Am 29. Dezember gab es dort noch einen Bereitschaftsdienst“, führt Spee aus. „Am 5. Januar konnten dann, am dritten Werktag nach dem Todestag, alle notwendigen Unterlagen für die Überführung ausgestellt werden.“

Dass es trotz eines steigenden Anteils von Muslimen keinen Notdienst gebe, sei untragbar, findet Gülsen H. Der Stadtsprecher gibt jedoch an, dass nach Rücksprache mit dem Standesamt in den vergangenen Jahren keine Beschwerden bekannt wurden, „und es sind bereits muslimische Mitbürger an Weihnachten oder Ostern verstorben“. Diese Regelungen seien den Bestattungsunternehmen bekannt. „Zudem hat sich die Leiterin des Standesamtes per E-Mail noch einmal an die Tochter der Verstorbenen gewandt, um die Sache aufzuklären.“

Gülsen H. können diese Erklärungen nicht trösten. „Meine Mutter hat Oberhausen geliebt, jedes Mal war sie glücklich, wenn sie den Namen der Stadt auf einem Autobahnschild erblickte.“