Super-Sonnen-Samstag: Oberhausen schmilzt dahin

Zeit zum Hanteln? Im Fitnessstudio hatte Angelina Block am hitzigen Samstag recht wenig zu tun. Je später der Tag, desto weniger kamen.
Zeit zum Hanteln? Im Fitnessstudio hatte Angelina Block am hitzigen Samstag recht wenig zu tun. Je später der Tag, desto weniger kamen.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Marktstände schließen früher. Imbisse öffnen erst gar nicht. 38 Grad machten am Samstag in Oberhausen nicht nur den Spaziergängern zu schaffen.

Oberhausen.. Dieser Tag ist eine Mogelpackung. Samstagmorgen, 9 Uhr. Beim ersten Gang vor die Tür verweigert der Wind die obligatorische Frische. Das fängt ja gut an. 33 Grad. Jetzt schon. Die Stadt schwitzt. Und wir schwitzen mit.

Einen ersten Klimawandel gibt es in einem Sterkrader Supermarkt. Hier kühlt die Anlage auf Gänsehautemperaturen hinunter. An der Fleischtheke stöhnt man gemeinsam. „Angenehm!“, sagt eine Einkaufwagen-Schieberin. „Ja, aber die Frische hält nur kurzzeitig an!“, heißt es hinter der Theke. Denn: Am Ausgang wartet schon die Hitzewand. „Heute nur vier Scheiben Aufschnitt. Wir essen nicht viel!“

Im Uerige Treff am Friedensplatz kann man diesen Trend bestätigen. „Folienkartoffel, Matjes, Wurstsalat“, Chefin Helga Dehorn zählt gefragte Speisen auf. Die Sonne diktiert die Mittagskarte. Selbst Traditionalisten weichen von Ritualen ab. Statt Erbsensuppe ein bisschen Quark mit Früchten. Gut so.

Markthändler verkaufen viel Obst

In der Küche sind Hadya und Nevzeta die Helden der Arbeit. Braten mit Bratkartoffeln. Das ist bei der Hitze kein Vergnügen. Die beiden nehmen es aber mit Humor. Im spärlich besetzten Freien stoßen Edgar und Gerd Bednorz an. Das Pils teilen sie sich brüderlich. Die Folgen der Hitze spüren auch die Wirte. „Am Mittag ist es leerer, am Abend wird der Biergarten voller“, sagt Helga Dehorn. Durchatmen.

Auf dem Altmarkt packen die Händler früher ihre Stände zusammen. „Das lohnt sich nicht mehr“, sagt Achim Bröker. „Am Morgen kamen einige, aber schon am frühen Mittag heizt sich der Platz auf.“ Gemüse wird weniger verkauft, sagt er. „Die Leute kochen nicht!“ Zumindest am Herd. Gute Geschäfte gibt es mit Obst. Die Marktstraße, ein Hitze-Highway. Fahrradfahrer setzen auf Fahrtwind. Einige Imbisse haben gar nicht erst geöffnet. In Fritteusennähe heißt es: „Hitzefrei!“

Besser sieht es in der Salzgrotte in der City aus. Dort hängen zwar keine echten Eiszapfen, aber der Raum ist auf angenehme 22 Grad gekühlt. „Das ist wichtig, damit der Körper die salzhaltige Luft aufnimmt“, sagt Heike Schulz-Kleisch.

Barden statt Baden

Im Auto dagegen: Klimaanlage. Die Fahrt geht vorbei an ansprechenden Budenbeschriftungen von Markthändlern („Wild und Geflügel Luft“) und Werbetafeln („Autohändler Eis“). Doch so richtig erfrischend ist das auch nicht. Im Kletterpark in der Neuen Mitte steht ein humorvoller Wegweiser: „Nordpol 4951 Kilometer!“ Da fahren wir jetzt hin.

Zunächst steigt die Temperatur aber wieder. Angelina Block begrüßt im Fitnessstudio Injoy nett fleißige Sportler. Eigentlich zum Dahinschmelzen. Aber heute, tote Trainingshose. „Am Nachmittag wird es ruhig.“ Schweißperlen gibt es ohne Hanteln und Laufband.

Außerdem: In Sterkrade zieht es einige Fans tatsächlich zu Schlagersängern auf den Neumarkt. Barden statt Baden. Aber an einem Tag wie im Backofen wundert nichts mehr.