Stummfilme im Gasometer Oberhausen - Experiment geglückt

Das Trio „Chamber Jazz“ spielte zum Kurzfilm „Der Kameramann“ im Gasometer.
Das Trio „Chamber Jazz“ spielte zum Kurzfilm „Der Kameramann“ im Gasometer.
Foto: Gasometer Oberhausen
Was wir bereits wissen
Stummfilme flimmerten in den vergangenen Tagen über die Leinwand im Gasometer. Das Projekt kam gut an, eine Fortsetzung ist nicht ausgeschlossen.

Oberhausen.. Es gibt zwar keine Sessel und kein Popcorn, trotzdem ist es ein ganz besonderes Kino-Erlebnis: Filme gucken im Gasometer. Genauer gesagt: Stummfilme. Also ohne Ton – was der Akustik der Kulttonne sehr entgegen kommt. Dafür mit Live-Musik, die gerade wegen der besonderen Akustik gut zur Geltung kommt. Drei Stummfilme liefen in den vergangenen Tagen über die Gasometer-Leinwand. Stumm, schwarz-weiß, großartig.

Den Höhepunkt gab es am Donnerstag mit dem Klassiker „Nosferatu“ von Friedrich Murnau. Rund 200 Karten waren bereits im Vorfeld weggegangen, weitere Tickets gingen an der Abendkasse weg. Nicht ganz so gut besucht, trotzdem ebenso gelungen waren die Vorstellungen der anderen Filme. „Der Kameramann“ mit Buster Keaton lief am Mittwoch.

Leise Saxofon-Klänge schwingen durch die Tonne

150 Leute sitzen im Rund des Gasometers. Es ist dunkel, die Lichtin­stallation ist ausgeschaltet, alle warten gebannt, die ersten leisen Saxofon-Klänge schwingen durch die Tonne. Der Vorspann flimmert über die Leinwand, los geht’s.

Pärchen haben sich in große Sitzsäcke gefläzt, andere Gäste haben es sich auf gepolsterten Kissen gemütlich gemacht. Buster Keaton rennt als Fotograf durch die Straßen einer amerikanischen Metropole, mehr Tölpel als Profi. Sein großer Traum: Kameramann werden – und das Herz von Sally gewinnen.

Ein sympathischer Trottel

Beides ist nicht so einfach, wenn du zwar das Herz am rechten Fleck hast, das Pech dir dafür folgt wie der eigene Schatten. Missgeschick um Missgeschick passiert dem tragikomischen Helden, bis er am Ende dann doch das Herz der Angebeteten erobert.

Es ist ein kleiner Schatz, der da über die Gasometer-Leinwand läuft. 1928 wird „Der Kameramann“ produziert. Das Kino-Genre steckt noch in den Kinderschuhen, die Technik kann mit Hollywood-Blockbustern von heute natürlich nicht mithalten. Aber genau das macht den Zauber der Stummfilme aus. Spannend, wie die Filmemacher mit technischen Möglichkeiten experimentieren; schön, wie groß die Spielfreude der Darsteller ist. Und wunderbar, wie die Musiker die alten Bilder ins Jetzt holen.

Große Herausforderung für die Musiker

Es sei „eine große Herausforderung“ gewesen, sagt Matthias Keidel vom Trio „Chamber Jazz“, das für die musikalische Untermalung von „Der Kameramann“ zuständig war. Aber sie seien sehr an Bildern und Geschichten interessiert, Kopfkino mache gute Musik eh immer. „Und jetzt ist Buster Keaton mit dabei“, sagt der Saxofonist. Eine Stunde und knapp 20 Minuten haben die Musiker durchgespielt. Beim Abspann haben sie sicherlich erst einmal durchgeatmet, für die Zuschauer hätte der Film auch gerne länger dauern können.

Gasometer für Blockbuster nicht gemacht

Es wurden zum ersten Mal Filme auf großer Leinwand im Gasometer gezeigt. Das Projekt ist in Kooperation mit der Oberhausener Lichtburg entstanden.

Eine Fortsetzung im kommenden Jahr sei nicht ausgeschlossen, verrät Gasometer-Chefin Jeanette Schmitz. Es müsse aber zum Konzept der nächsten Ausstellung passen. Und es müssten wieder Stummfilme sein. Für Blockbuster sei die Akustik des Gasos einfach nicht gemacht.