Studentin steigt bei „We love MMA“ in Oberhausen ins Oktagon

Alles im Griff: Mixed Martial Arts (MMA) vereint Elemente aus Kickboxen, Judo, und Ringen miteinander. Vor einem Wettkampf trainiert Paulina Ioannidou täglich.
Alles im Griff: Mixed Martial Arts (MMA) vereint Elemente aus Kickboxen, Judo, und Ringen miteinander. Vor einem Wettkampf trainiert Paulina Ioannidou täglich.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Paulina Ioannidou (24) tritt Samstag bei „We love MMA“ in der Oberhausener Arena an. Eine Kampfsportart mit Klischees. Doch die funktionieren bei der Studentin nicht.

Oberhausen.. Paulina Ioannidou steigt von einem Fuß auf den anderen: Lächelt, um ihren Blick danach konzentriert gen Boxsack zu richten. Am Samstag steigt die 1,58-Meter-Frau beim Mixed Martial Arts in der Oberhausener König-Pilsener-Arena am Centro bei „We love MMA“ (19 Uhr) ins Oktagon. Im Kölner Stadtteil Nippes trainiert die 24-Jährige beim „Combat Club Cologne“. So wie am Tag davor. Und am Tag davor.

Im Training konzentriert, abseits der Matte sympathisch und bescheiden: Wie der Sport ihr Leben beeinflusst, erzählt Paulina Ioannidou nach einer Übungseinheit im Interview mit Dirk Hein.

Wie sind Sie ausgerechnet zum Kampfsport gekommen?

Paulina Ioannidou: Das Schwimmen wurde mir zu langweilig. Ich habe Freunden beim Kickboxen zugeschaut und es danach ausprobiert, weil ich selbst wissen wollte, wie sich das anfühlt. Vor drei Jahren war ich in Asien und habe Thai-Boxen gelernt, bei dem es Ellenbogen- und Kniekontakt gibt. Später kam der Bodenkampf dazu, der Kampf im Stand. Das alles vereint MMA.

Wie hat Ihr Umfeld reagiert?

Ioannidou: Meine Mutter fand Sport immer gut, aber das Kind sollte sich nicht verletzen. Bei Eltern ist das völlig normal. Mich hat die Herausforderung gereizt, wie weit man einen Körper puschen kann. Neben Zehnkampf fordert wohl nur noch MMA dem Körper so sehr das Maximale ab. Ich arbeite als Physiotherapeutin, mein Chef unterstützt mich. Teile meiner Familie werden in Oberhausen dabei sein. Sie können sich das anschauen, ohne selbst in den Käfig zu springen. (lacht) Selbst einige meiner Patienten wollen mich anfeuern.

Wie gestaltet der Sport Ihr Leben?

Ioannidou: Ich habe mir für die Vorbereitung auf den Wettkampf Urlaub genommen. Zwei Mal am Tag wird trainiert. Ich habe vorher meine Arbeitspausen für das Training verlängert. Abends gibt es zwei Einheiten. Der Verein ist mein zweites Zuhause. Es gibt keinen Ort, an dem ich mich länger aufhalte.

Vollkontaktsport

Mixed Martial Arts hat oft keinen guten Ruf, woran liegt das?

Ioannidou: Es sind Begriffe wie „Brutalität“, manchmal hört man auch „primitiv“. Ohne eine strategische Vorbereitung kann man den Sport aber gar nicht betreiben. Man muss die Ernährung umstellen, seine Ausdauer schulen, seine Reflexe. Das ist keine Kneipenschlägerei. Jeder, der den Sport kennt, der weiß, welche Taktik dahinter steckt. Das ist wie beim Schachspiel, bei dem man die Züge seines Gegners analysiert.

Wie verbringen Sie die letzten Minuten vor dem Kampf?

Ioannidou: Das Handy wird den gesamten Tag abgestellt. Mein Einlauflied suche ich mir noch aus. Die Musik motiviert mich, an meine Grenzen zu gehen.

MMA-Trainer Mike Cüppers über Vorurteile und schwarze Schafe der Szene

MMA-Trainer Mike Cüppers bereitet im „Combat Club Cologne" Paulina Ioannidou auf ihren Kampf gegen die Belgierin Fran Vanderstukken vor. Er sagt: "Ohne Disziplin hast du beim Mixed Martial Arts keine Chance!"

Fehlt dem Sport die Öffentlichkeit?

Mike Cüppers: MMA läuft künftig wieder im TV. Das war vorher nicht möglich, weil einige Politiker den Sport nicht kannten. Ohne Fernsehen keine Öffentlichkeit. Ohne Öffentlichkeit keine Sponsoren. Ohne Sponsoren keine Gelder. Selbst die Profis müssen anderen Tätigkeiten nachgehen. Dabei ist das Training genauso aufwendig wie bei Olympioniken. Jemand, dem Kampfsport nicht gefällt, wird man nicht von MMA überzeugen können. Wer aber Kampfsport kennt und es für eine falsche Ausführung hält, dem sage ich: Kommt vorbei und baut eure Vorurteile ab.

Gibt es Personen, die dem Mixed Martial Arts schaden?

Cüppers: Kevin Großkreutz hat in die Hotellobby gepinkelt. Trotzdem wird nicht sofort der gesamte Fußball in Verruf gebracht. Auch beim MMA gibt es einen Querschnitt der Gesellschaft. Bei uns im Verein trainieren viele Abiturienten und Studenten. Aber das ist keine Aufnahmevoraussetzung. Das ein oder andere schwarze Schaf wird es geben. Hier im Club mache ich die Erfahrung, dass Leute, die nur Prügeln wollen, nicht den langen Atem haben, MMA zu lernen. Wenn sie merken, dass in den ersten Stunden Basisübungen trainiert werden, schmeißen sie die Flinte ins Korn. Ohne Ehrgeiz und Disziplin hast du beim MMA keine Chance.