Studentenleben gibt es auch in Oberhausen

Sie leben im Studentenwohnheim des Niederrhein-Kollegs (v.li.):  Marvin Jeromin, Denise de Haas und Maurice Hoffmann machen an der Einrichtung ihr Abitur auf dem zweiten Bildungsweg.
Sie leben im Studentenwohnheim des Niederrhein-Kollegs (v.li.): Marvin Jeromin, Denise de Haas und Maurice Hoffmann machen an der Einrichtung ihr Abitur auf dem zweiten Bildungsweg.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Am Niederrhein-Kolleg gibt es ein Wohnheim für 50 Studierende. Das Semester hat gerade begonnen, noch sind Zimmer für 170 Euro frei.

Oberhausen-Dümpten.. Wilde Partys und viel Alkohol. Daran dachte Marvin Jeromin, als er in Dorsten vor seinem Computer saß und sich über das Studentenwohnheim am Oberhausener Niederrheinkolleg informierte. Er war skeptisch, bewarb sich aber trotzdem um einen Platz – und bekam ihn. Rund zweieinhalb Jahre ist das her. Und? Viel gefeiert? Der 29-Jährige lacht. Klar haben er und seine Mitschüler auch Spaß. „Aber so ein wildes Studentenleben wie man es aus amerikanischen Filmen kennt, gibt es hier nicht. Das ist auch gut so.“

Jeromin ist einer von aktuell 42 Bewohnern des Studentenheims des Kollegs an der Wehrstraße. Das neue Semester hat vor wenigen Wochen begonnen, noch gibt es Fluktuation: Einige Kollegschüler haben die WG-Zimmer mit dem Abitur in der Tasche verlassen, neue Mitschüler ziehen ein. 50 Plätze hat das Wohnheim. „Es sind noch einige frei“, sagt Wohnheim-Leiter und Lehrer Christoph Busch.

Unterricht auch draußen

„Im Sommer ist es hier wunderbar“, sagt Kollegschüler Maurice Hoffmann, der in seiner WG-Küche steht und Paprika schnibbelt. „Da wird jeden Tag gegrillt“, erzählt er. Auf den Balkonen und Terrassen, die jetzt noch recht unbelebt sind. Stühle und Tische stehen dicht aneinander, die Grills sind noch abgedeckt. Einige Studenten trotzen der Kälte und spielen Basketball. „Das ist kein Vergleich zu den Sommermonaten“, sagt auch Kollegsprecherin und Lehrerin Daniela Meyn. „Wenn es das Wetter zulässt, halten wir sogar unseren Unterricht draußen ab.“

Und wie klappt das Zusammenleben, wenn der eine lernen und der andere doch mal feiern möchte? „Das ist kein Problem“, sagt Marvin Jeromin. Es gebe klare Regeln – aufgestellt vom Kolleg, aber auch von den Schülern. Zudem gibt es einen Campus-Rat, der sich auch mit zwischenmenschlichen Problemen befasst. „Das Gute ist ja: Es geht hier um Erwachsene“, sagt Daniela Meyn. Anders als in einer Schule lösten die Kolleg-Studenten ihre Probleme selbst.

Eine echte Chance

Noch ein halbes Jahr hat Marvin Jeromin am Niederrhein-Kolleg vor sich. Dann wird er die letzte Abitur-Klausur geschrieben haben und mit der Hochschul-Reife noch einmal durchstarten. „Das gefällt mir hier besonders: Hier haben Leute noch eine Chance, auch wenn sie älter sind und einen ungewöhnlichen Lebensweg haben“, sagt der 29-Jährige. Bevor er sich fürs Abi auf dem zweiten Bildungsweg entschieden hatte, verdiente der Dorstener sein Geld durch Jobben. Nach dem Abschluss will er Medizin studieren.

Das Wohnheim muss er dann verlassen und Platz machen für die künftigen Kollegschüler. Aber er kann ja umziehen – ins Studentenwohnheim einer Uni.