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Stolzer Oberhausener

26.09.2012 | 10:00 Uhr
Stolzer Oberhausener
Schottisches Wetter gibt es definitiv auch oft genug hier in Oberhausen.Foto: Lars Froehlich

Oberhausen. „Ich bin stolzer Schotte, aber auch stolzer Oberhausener“. Vor 25 Jahren kam William White im Rahmen eines Projekts der Ruhrwerkstatt nach Deutschland. Da er sich hier verliebte, zog er von Kirkcaldy, einem Städtchen in der Nähe von Edinburgh, nach Oberhausen. Wir unterhielten uns mit dem Exil-Schotten über die Besonderheiten von Umlauten und dem gewöhnungsbedürftigen deutschen Frühstück.

„Zunächst war ich Mitte 1987 zwei Wochen berufsbedingt hier in Oberhausen. Als Busfahrer war ich bei einer Gruppe dabei, die sich anschaute, wie hier die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen aussehen um das mit unseren schottischen Programmen zu vergleichen“, schildert der heute 50-Jährige. „Bis auf das deutsche Mädchen, das ich kennengelernt habe, hatte ich aufgrund der Arbeit überhaupt kein Auge für diese Stadt.“

Bei der WBO beschäftigt

Das sollte sich erst ändern, als er das nächste Mal wieder in Oberhausen war. Denn nur wenige Monate später, noch im Herbst 87, siedelte er über. „Ich hatte mich in dieses Mädchen verliebt und wollte bei ihr sein.“ Also brach William White mit 25 seine Zelte in Schottland ab und startete in das große Abenteuer. „Ich kam mit dem Zug aus Holland hier am Bahnhof an. Als ich heraus ging, sah ich Hunderte Menschen umhereilen, als gebe es irgendwo etwas umsonst. Das kannte ich aus Schottland nicht“, so White. „Bei uns ist alles etwas langsamer und gemütlicher. Dieses schnelle Hin und Her ist nicht so meine Sache.“

Auch beruflich lief es zunächst nicht optimal, keinen Job behielt er lange. Doch dann kam 1989 ein Angebot der Stadt. „Ich fing also als Kanalreiniger an. Elf Jahre habe ich das gemacht.“ Heute ist er bei der WBO beschäftigt, aufgrund von starken Rückenproblemen aber nur noch als Baustelleninspekteur. „Ich bin den Leuten dort echt dankbar. Die haben Arbeiten von mir übernommen und eine extra Stelle für mich geschaffen.“

Probleme mit den Umlauten

Mit der Sprache gab es die eine oder andere Schwierigkeit. „Deutsch konnte ich nämlich nicht. Ich hatte zwar einen Vorbereitungskurs bei unserer Volkshochschule in Kirkcaldy gemacht, aber ich konnte dadurch nur einen kompletten Satz.“ Und diesen im Alltagsgebrauch zu verwenden, war dann doch etwas schwieriger.

Denn wann bietet es sich schon mal an, „das Düsseldorfer Waschpulver wäscht alle Düsseldorfer Socken weiß“, zum Besten zu geben. Die Umlaute stellen White auch nach 25 Jahren noch manchmal vor Probleme „Ich wusste zunächst überhaupt nicht, wofür diese Pünktchen über dem A oder dem U da waren.“ So ganz sicher ist er sich auch heute nicht. Seine Frau Ute, die er während der WM 2010 beim gemeinsamen Fußballschauen bei Freunden kennenlernte, wurde da zur Üte. „Das ist in unserem Freundeskreis hängen geblieben.“

Bei Heimweh in den Irish-Pub

Etwas gewöhnungsbedürftig ist für William White weiterhin das deutsche Frühstück. „Das ist so fein, mit den Brötchen und der Marmelade. Bei uns in Schottland ist das ganz anders“, erklärt er. „Wir haben da immer den ganzen Teller voll mit Blutwürsten, Speck, Eiern, gebackenen Bohnen und Haggis.“

Fernab davon, fühlt er sich aber hier dennoch ganz wohl. „Heimat wird für mich zwar immer Schottland bleiben. Mein Zuhause ist aber Oberhausen.“ Lange fernbleiben will er darum auch nicht. „Es gefällt mir sehr, wie hier mit der industriellen Vergangenheit umgegangen wird. In Schottland wird alles platt gemacht, hier wird es dagegen als Kulturgut erhalten.“

Wenn ihm aber doch das Heimweh packt, geht es in den Irish Pub. „Da trifft man Leute von der Insel und kann seine Sprache sprechen. „Der Whiskey muss aber schottisch sein.“ Vor allem die Atmosphäre macht den besonderen Reiz aus. „Außerdem gibt es da auch oft Live-Musik.“ Wo wir schon beim Thema Musik sind. „Derzeit spiele ich mit einem Kumpel zusammen als Duo Folk-Musik und Oldies. Er ist Gitarrist und ich singe.“ Gerne würde William White noch ein oder zwei Leute dazunehmen, die Keyboard oder Akkordeon spielen. „Natürlich idealerweise so ungefähr in unserem Alter.“

Marcel Sroka



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