Stoag verliert Millionen Oberhausener Fahrgäste

Die Stoag hat im vergangenen Jahr viele Fahrgäste verloren.
Die Stoag hat im vergangenen Jahr viele Fahrgäste verloren.
Foto: Ulla Emig
Was wir bereits wissen
Das Oberhausener Nahverkehrsunternehmen Stoag hat 2014 deutlich Fahrgäste verloren. Ingesamt verzichteten vier Millionen Kunden auf den Fahrservice.

Oberhausen.. Das städtische Oberhausener Nahverkehrsunternehmen Stoag hat nach WAZ-Informationen überraschend deutlich Fahrgäste verloren: Im vergangenen Jahr verzichteten Bürger im Vergleich zu 2013 über 900.000 Mal auf Busse und Bahnen der Stoag. Noch vor fünf Jahren hatten 40 Millionen Fahrgäste innerhalb von zwölf Monaten den Stoag-Fahrservice in Anspruch genommen, 2014 waren es nur noch 36 Millionen.

Der Rückgang von zehn Prozent an Kunden seit 2009 gilt bei Verkehrsexperten als Alarmsignal – von Politikern verschiedener Couleur im Land ist genau der gegenteilige Trend gewünscht: Mehr öffentlicher Nahverkehr statt Auto. 2013 hatte die Stoag 1,1 Millionen Fahrgäste eingebüßt (minus 2,9 Prozent), im vergangenen Jahr mit 900.000 rund 2,4 Prozent.

Stoag-Geschäftsführer Werner Overkamp tröstet sich zwar damit, dass sich die Einnahmelage der Stoag durch den Kundenschwund nicht verschlechtert hat, da die Fahrpreise im Verkehrsverbund nicht nur im vergangenen Jahr massiv gestiegen sind. Doch letztendlich beobachtet auch Overkamp den Fahrgast-Einbruch in Oberhausen mit Sorge.

Den Nahverkehr attraktiver machen

Nach seiner Ansicht hat das Minus zwei Gründe: Die Schülerzahlen sinken in der überalterten Gesellschaft kräftig und der Nahverkehr in Oberhausen hat durch den von der Politik verordneten Sparzwang an Attraktivität verloren. „Wenn man das Netz seit 2003 um 23 Prozent reduziert, dann macht sich das natürlich bei den Fahrgastzahlen bemerkbar.“

Der Verlust von vier Millionen Fahrgästen in den vergangenen fünf Jahren sei aber vornehmlich auf die Schüler zurückzuführen (minus drei Millionen). Dabei sei nicht ausgeschlossen, dass Schüler aus ärmeren Familien vor dem Kauf des nicht mehr billigen Schokotickets zurückschreckten. Während die Nahverkehrsfirmen in Hochschulstädten aber solche Rückgänge zum Teil durch den Verkauf von Semestertickets an Studenten auffangen könnten, sei dies der Stoag mangels universitärer Einrichtungen nicht möglich.

„Man muss den Nahverkehr attraktiver machen, dann gewinnt man Fahrgäste. Das hat nicht nur der Stadtbahn-Ausbau in Bielefeld gezeigt“, ist Overkamp überzeugt. „Deshalb benötigen wir auch den Lückenschluss der Straßenbahnlinie 105.“ Dabei dürfe man nicht nach dem Gießkannenprinzip vorgehen, sondern starke Linien stärken – eben durch den geplanten Zehn-Minuten-Takt der 105 nach dem Bau der 3,3 Kilometer langen Verbindung zwischen der Neuen Mitte und Essen-Frintrop.