Steuerrecht statt Kurvendiskussion?

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Was wir bereits wissen
DIe Diskussion über das Schulsystem beschäftigt auch Schulen in Oberhausen. Schüler und Lehrer sind nicht ganz einer Meinung, wenn es um die Inhalte der Lehrpläne geht.

„Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann eine Gedichtsanalyse schreiben. In vier Sprachen“. Als die 17-jährige Naina aus Köln diesen Eintrag auf der Kommunikationsplattform Twitter online stellte, dachte sie mit Sicherheit nicht daran, eine bundesweite Diskussion über das deutsche Schulsystem damit auszulösen. Eine Diskussion, die auch bei Lehrern und Schülern in Oberhausen angekommen ist. Bei vielen Schülern stößt die Aussage der 17-Jährigen auf großen Zuspruch.

Mehr praktische Inhalte im Unterricht

Oft sitzen sie im Unterricht und es stellt sich die Frage: „Wofür brauch ich das später in meinem Leben?“ Die Schüler sind mehr daran interessiert alltagstaugliche Dinge zu lernen, wie das Anfertigen von Steuererklärungen, worauf sie achten müssen beim Unterzeichnen eines Vertrages oder was alles beachtet werden muss beim Mieten einer Wohnung. Es wird vor allem bemängelt, dass an Berufsschulen seit Jahren Themen wie Steuer- und Vertragsrecht zum festen Bestandteil des Lehrplans gehören und an anderen weiterführenden Schulen nicht.

Muharem Alijagic ist Schüler in Oberhausen und hat eine klare Meinung zum Schulsystem:„Natürlich machen viele Themen, die im Unterricht behandelt werden Sinn. Aber ich würde lieber effektivere Sachen lernen, die ich auch im Alltag anwenden kann. Daher fände ich es gut, wenn es an allen Schulen einen Wirtschaftsunterricht geben würde.“

Derselben Meinung ist die Schülerin Karuniya Rajamohan. Sie geht auf die Fasia-Jansen Gesamtschule und ist ähnlicher Meinung: „Es stimmt, dass wir viele Dinge lernen, die wir später nicht mehr brauchen. Ich habe ein Wirtschaftsfach an meiner Schule. Dort werden diese Themen angeschnitten. Ich fände es jedoch besser, wenn man mehr ins Detail gehen würde.“ Die Lehrer und Verantwortlichen für Bildung in Oberhausen können die Meinung der Schüler zwar nachvollziehen, merken jedoch an, nicht den Grundgedanken der Schulen zu vergessen - nämlich Bildung zu vermitteln.

Schule muss immer mehr Aufgaben übernehmen

Mechthild Grubing ist Mitglied im Bezirkspersonalrat für Gymnasien und kann die Diskussion nicht nachvollziehen: „Mein Eindruck ist, dass der Schule immer mehr Aufgaben zugeteilt werden. Ob es um Mediennutzung, gesunde Ernährung oder, wie die Schülerin aus Köln fordert, um Steuern und Miete geht.“ Grubing weist außerdem darauf hin, dass sich Schüler in Zeiten des Internets über Steuern oder Miete selbst informieren können und selbstverantwortlich dafür sind, sich eine gewisse Bildung anzueignen.

Stefan Schubert, Lehrer am Bertha-von-Suttner-Gymnasium, teilt diese Meinung: „Die Aufgabe der Schule ist Bildung und nicht Ausbildung. Ich habe den Eindruck, dass immer mehr Aufgaben des Elternhauses auf die Schule übertragen werden. Die Schule muss zunächst ihre eigentlichen Aufgaben erfüllen.“ Schubert hätte jedoch keine Einwände gegen wirtschaftliche Kurse an weiterführenden Schulen. „Wenn solche Kurse von den Schülern gewünscht sind, sollte man auch darauf eingehen.“