Steinharte Arbeit in fabelhafter Umgebung

Das Arbeiten am Stein ist für Richard Naskrent ganz schön anstrengend. Aus dem Stein soll ein Blumenstrauß werden.
Das Arbeiten am Stein ist für Richard Naskrent ganz schön anstrengend. Aus dem Stein soll ein Blumenstrauß werden.
Foto: :Franz Naskrent
Was wir bereits wissen
Richard Naskrent, Schüler der Heinrich-Böll-Gesamtschule in Oberhausen, macht ein Praktikum bei einem Bildhauer. Aus einem Stein wird ein Blumenstrauß

Oberhausen.. Dieser Hof an der Bottroper Straße 141 in Kirchhellen ist wie eine Reise ins Land der Phantasie. Hölzerne Bahnschwellen mit wettergegerbten Gesichtern und buntem Anstrich, überdimensionale Sessel aus riesigen Steinblöcken, ein Brunnen aus Stein, in dem ein einziger, tönerner Fisch liegt und eine Sonne mit Gesicht, die von einer Wand herab strahlt. In dieser phantastischen Welt ist Richard Naskrent, der die Klasse 9b der Oberhausener Heinrich-Böll-Gesamtschule besucht, als Schüler-Praktikant gelandet.

Der 16-Jährige arbeitet drei Wochen bei dem Bildhauer Guido Hofmann (51), der sich selber auch Materialplastiker nennt, weil er neben Stein alle möglichen anderen Materialien verwendet wie Gummi, Plastik oder Holz. So hat er auch Bahnschwellen zu Skulpturen verarbeitet. Bei einer hat Richard Naskrent tatkräftig mitgeholfen. „Er hat sie vorgearbeitet“, sagt der Chef. „Ich habe sie bemalt, das war sehr anstrengend“, sagt der Schüler. Stundenlang arbeitete der junge Sterkrader, um die Farbe auch in jede kleinste Lücke des porösen Holzes zu bekommen. Aber das machte ihm überhaupt nichts aus. „Ich habe dabei ganz viel über Farben gelernt“, erzählt er.

Bewegung und Konzentration

Überhaupt habe er viel erfahren. Über Werkzeuge, die richtige Schutzkleidung für jeden Zweck, wie man einen Hubwagen steuert oder Wasserwaagen richtig benutzt, damit Bilder hinterher auch gerade hängen. Das Praktikum macht dem 16-Jährigen, der zuhause eine Mineralien-Stein- und Fossiliensammlung besitzt, sehr viel Spaß. „Weil man sich bewegt, arbeiten und sich dabei konzentrieren kann“, sagt Richard Naskrent. Bei seinem neuesten Projekt braucht es wirklich einiges an Konzentration. Mit einer Pressluftpistole bearbeitet er gerade einen Stein.

„Die Pressluftpistole muss man ganz schön fest aufdrücken und aufpassen, dass man nichts Falsches weg bohrt“, erklärt der Schüler. „Beim Arbeiten am Stein lernt er auch, sich bequem hinzustellen, er entwickelt Körpergefühl“, sagt Guido Hofmann. Der Stein soll zu einem Blumenstrauß werden. Und der ist dann ein Geschenk. Für wen, wird nicht verraten.

Er könnte noch eine Woche bleiben

Auf die Frage, ob er traurig ist, dass er bald wieder zur Schule muss, sagt der 16-Jährige nur: „Na klar.“ Und Hofmann erklärt: „Von mir aus könnte er auch noch eine Woche länger bleiben.“

Sicher, ist ja auch spannend bei einem Bildhauer und Materialplastiker, der sich einen Spruch Oscar Wildes auf seinen Flyer gepackt hat: „Die Form ist alles. Sie ist das Geheimnis des Lebens.“ Guido Hofmann arbeitet hauptsächlich für Privatkunden, hat aber auch schon viele Objekte für den öffentlichen Raum erstellt. Für einen Privatkunden ist der Wasserspeier bestimmt, der Satyr, dessen tönernes Konterfei gerade in der Werkstatt steht. Schön verpackt in Plastikfolie, damit der Ton nicht austrocknet und weiterbearbeitet werden kann. „Der Kunde hat 1998 bereits eine große Steinskulptur von mir gekauft“, sagt Hofmann, der sich 1997 selbstständig gemacht hat.

Für den öffentlichen Raum, für den Verein „Garten der Sinne“ in Kirchhellen, sind dagegen die mächtigen bunten Holzmasten, die zum Balancieren und Springen für Kinder gedacht sind. Arbeiten von Hofmann stehen u. a. in Bottrop, Essen, Dorsten, Frankreich, Spanien und den Niederlanden.