Statt Geld kamen Sonntagsreden
04.11.2008 | 19:20 Uhr 2008-11-04T19:20:00+0100Trotz Streichung der Landesmittel vorerst Entwarnung fürs Arbeitslosenzentrum „Kontakt”: „Die Kurbel” springt ein.
Sonntagsreden haben sie viele gehört: „Alle bescheinigen uns, dass wir mit unserem Arbeitslosenzentrum eine ganz wichtige Arbeit machen”, sagt Oliver Heck, Geschäftsführer des Katholischen Jugendwerks „Die Kurbel”. Nur Geld gibt leider keiner. Seit die Landesregierung zum 30. September die Förderung eingestellt hat und damit auch die daran gekoppelten Gelder der Arge Soda ausbleiben, schwebt das Damoklesschwert der Schließung über der Einrichtung.
Gestern konnte Heck Entwarnung geben. Vorerst: Die „Kurbel” wird aus eigenen Mitteln für die 45 000 Euro geradestehen, die gebraucht werden, um das Angebot auch im nächsten Jahr aufrecht erhalten zu können. Sein „Jetzt können wir alle beruhigt in die Adventszeit gehen”, ging fast schon unter im Applaus der rund 30 mittäglichen Besucher des Zentrums.
Kein Goldesel im Keller
„Die Kurbel hat keinen Goldesel im Keller und auch keine Reichtümer auf der hohen Kante”, stellte Heck gleich im Anschluss an die frohe Botschaft klar: „Das wird ein Kraftakt.” Wohlweislich habe man in den letzten Monaten schon Rücklagen gebildet – Spenden der Pfarrcaritas etwa, Einnahmen aus Basaren oder Geldbußen, die vom Gericht an gemeinnützige Einrichtungen verteilt werden. „Das ist natürlich viel Stückwerk. Wir müssen uns aus verschiedenen Geldquellen speisen.” Und Einrichtungsleiter Ulrich Klein ergänzt: „Das geht überhaupt nur durch die Solidarität eines großen Ladens. In anderen Bereichen werden die Spielräume dadurch zwangsläufig enger werden.”
Für die Zukunft erhofft man sich, möglichst bald Sicherheit in die Finanzierung zu bekommen: „Wir hoffen, schon im Sommer oder Herbst sagen zu können, dass es auch 2010 weitergehen wird”, hofft Heck – und auch Sozialarbeiter Thomas Lagermann, dessen 30-Stunden-Stelle als Leiter der Einrichtung jetzt erstmal für ein Jahr gesichert ist. Jetzt ist Kreativität gefragt: Im Zentrum wird schon fleißig für einen Weihnachtsbasar gebastelt, dessen Erlöse in die Arbeit fließen sollen, ebenso wie die Einnahmen vom Verkauf eines Kalenders, den „Kontakt”-Besucher Karl-Matthias Heidenreich in Wort und Bild gestaltet hat. „Wir brauchen das Arbeitslosenzentrum. Wo sollen wir denn sonst hin?”, fragt der Mann, den sie hier alle nur Jogi nennen. „Und ich komme mit meiner kleinen Witwenrente überhaupt nur aus, weil ich hier preiswert essen kann”, sagt Christa Leenen (53). Außerdem: Den ganzen Tag zu Hause – da werde man doch trübsinnig. Cafes oder Kneipen? Nicht bezahlbar. Da ist „Kontakt” für viele eine ganz wichtige Adresse, um nicht in den eigenen vier Wänden zu vereinsamen. „Dass Minister Laumann an sowas den Rotstift anlegt, ist unfassbar”, ereifert sich Franz Kempkes (66), ehrenamtlicher Helfer bei „Kontakt”: „Mit katholischer Soziallehre hat das nichts zu tun.”

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