Stadt Oberhausen erbt drei Wohnhäuser

Die Nachlassabteilung befindet sich im Gebäude des Amtsgerichts Oberhausen am Friedensplatz.
Die Nachlassabteilung befindet sich im Gebäude des Amtsgerichts Oberhausen am Friedensplatz.
Foto: Hayrettin Özcan
Was wir bereits wissen
  • 16 Bürger hinterließen ihren Besitz im vergangenen Jahr Vater Staat
  • Diese Verstorbenen hatten keinen Erben
  • Private Ermittler versuchen, auch teils sehr weit entfernte Verwandte zu finden

Oberhausen.. Es kommt nicht allzu häufig vor, aber manchmal eben doch: Nach dem Tode eines Menschen ist niemand da, der erben kann oder möchte. In solchen Fällen tritt das jeweilige Bundesland das Erbe an.

Auch in Oberhausen ist das von Zeit zu Zeit der Fall – allerdings in überschaubarer Zahl. Der Nachlass von 16 Oberhausener Bürgern ging im vergangenen Jahr an das Land NRW, 2014 waren es 13 Erbschaften. Das teilt die Bezirksregierung in Düsseldorf auf Anfrage mit.

Bei den sogenannten Fiskalerbschaften hat Vater Staat nicht die Wahl: Findet sich kein Erbe oder ist Nordrhein-Westfalen sogar im Testament als Erbe eingesetzt, kann er die Hinterlassenschaft nicht ablehnen. Sollten Schulden vorhanden sein, müssen diese aber nur aus dem Nachlass befriedigt werden, erklärt Jessica Eisenmann aus der Pressestelle der Bezirksregierung.

„Bargeld, Sparbücher, Schmuck, Fahrzeuge, Grundstücke, Gesellschaftsanteile – vererbt wird grundsätzlich alles“, betont sie. Drei „gewöhnliche“ Wohnhäuser habe der Fiskus in Oberhausen 2015 geerbt: „Die Gebäude sind bisher noch nicht veräußert. Der Verkaufsprozess dauert aus der Sache heraus schon etwas länger. Hinzu kommt, dass sich die Objekte meist in einem unattraktiven und sanierungsbedürftigen Zustand befinden.“ Was es überhaupt zu erben gibt, sei zuvor durch umfassende Recherchen zu ermitteln.

Die Erbfälle des Fiskus werden auch im elektronischen Bundesanzeiger veröffentlicht. „Hier sind einige private Erbermittler, hauptsächlich aus Süddeutschland, sehr aktiv“, erklärt eine Mitarbeiterin aus der Nachlassabteilung des zuständigen Amtsgerichts Oberhausen. Das sei ein durchaus lukratives Geschäft, vor allem bei höheren Beträgen gebe es ein großes Interesse, dem Staat nichts zu schenken, schildert die Beamtin. Die Erbermittler versuchen einen teils sehr weit entfernten Verwandten zu finden, der dann Post bekomme.

Ohne dass der Name des Verstorbenen genannt werde und ohne die Summe des Erbes, könne dieser Hinterbliebene einen Vertrag unterschreiben, falls er das möchte. „Meistens fällt dann ein nicht unerheblicher Teil des gesamten Erbes dem Erbermittler zu“, erklärt die Beamtin.

Die Suche nach einem Hinterbliebenen darf auch etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen: Drei Jahre können vergehen, ohne dass sich ein Erbe gemeldet haben muss. Solange ruht die Erbschaft, sei sie nun groß oder klein bei der Hinterlegungsstelle im Amtsgericht. Hat sich bis dahin kein rechtmäßiger Erbe eingefunden, stellt das Nachlassgericht die Fiskalerbschaft fest und das Erbe fällt dem Land zu.