Spaziergang durch die alte Oberhausener Arbeitersiedlung

Rund 50 historisch Interessierte kamen zum Spaziergang durch Eisenheim am Ostersonntag.
Rund 50 historisch Interessierte kamen zum Spaziergang durch Eisenheim am Ostersonntag.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Der Landschaftsverband Rheinland eröffnete mit der Oster-Aktion seine Museumssaison in Eisenheim. Wissenswertes über Meisterhäuser, „Kaserne“ und das Mühlhauser Muster.

Oberhausen.. Mit einem Osterspaziergang durch die Siedlung Eisenheim eröffnete der Landschaftsverband Rheinland (LVR) am Ostersonntag die Saison seines dortigen Museums an der Berliner Straße 10a. Rund 50 Interessierte ließen sich von Gästeführer Ingo Dämgen beim Rundgang die Geschichte der ältesten Arbeitersiedlung im Ruhrgebiet erläutern. Treffpunkt war das Museum, das in einem der neuesten Gebäude der Siedlung, einem der drei erst 1952 entstandenen Waschhäuser, untergebracht ist und unter anderem typische Einrichtungsgegenstände, Hausrat und Ar­beitsgeräte zeigt.

Von den ältesten Häusern der Siedlung, die 1846 entstanden, sind nur noch zwei an der heutigen Wesselkampstraße und die sogenannte „Kaserne“ an der Fuldastraße, ein zweigeschossiges Doppelhaus, erhalten. „Dessen gemeinsame Flure bewährten sich wegen der damit verbundenen Störungen der Nachbarn gar nicht“, erklärt Ingo Dämgen. Kennzeichen aller übrigen Arbeiterhäuser seien daher getrennte Eingänge.

Kern der Siedlung Eisenheim sind sieben Meisterhäuser

Den Kern der Siedlung, deren Bau sich bis 1903 erstreckte, bildeten sieben Meisterhäuser an der Sterkrader Straße. Sie wurden nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissen. Gedacht waren sie für „tüchtige Meister und Arbeiter rechter Art“, wie Hermann Wilhelm Lueg, Direktor der Hüttengewerkschaft Jacobi, Haniel und Huyssen (JHH), bei der Bürgermeisterei Bottrop-Osterfeld begründete. Die war gar nicht begeistert, war sie doch für den damals nicht seltenen Fall, dass der Ernährer einer solchen kinderreichen Familie ausfiel, für deren Unterhalt verantwortlich. Die Kommunalaufsicht musste eingeschaltet werden, um den Bau durchzusetzen.

Die Gründung der Siedlung fiel ins beginnende Eisenbahn-Zeitalter. JHH, Vorläufer der Gutehoffnungshütte (GHH), produzierte Schienen und fand reißenden Absatz. Die ersten Bewohner arbeiteten eine halbe Stunde Fußmarsch Richtung Süden im Walzwerk „Alte Walz“.

Bergarbeiterfamilien wohnten wie im Eigenheim

Zwei verschiedene Haustypen prägen die Siedlung. Dämgens Rundgang begann am sogenannten Kreuztyp nach Mühlhauser Muster, benannt nach einer im Elsass verbreiteten Bauform. Diese Häuser liegen „Rücken an Rücken“ und weisen auf jeder Seite zwei getrennte Eingänge auf. Sie entstanden 1865/66 aus Backsteinen, denen Schlacke beigemischt wurde, erkennbar an der porösen Oberfläche, wie Stadtführer Ingo Dämgen erläuterte. Jede Wohnung bot auf zwei Etagen 55 Quadratmeter Fläche. Beim ersten Arbeiterhaus an der Wesselkampstraße waren es nur 43 Quadratmeter. Die Meisterhäuser dagegen hatten 96 Quadratmeter.

Der ab 1872 an Wesselkamp-, Werra- und Eisenheimer Straße entstandene Haustyp mit Kreuzgrundriss verfügte dagegen an jeder Hausseite über einen Eingang. Die dortigen Bergarbeiterfamilien wohnten wie in einem Eigenheim.