Das aktuelle Wetter Oberhausen 10°C
KOMMUNALPOLITIK

„Sparen am falschen Ende“

31.05.2012 | 08:00 Uhr
„Sparen am falschen Ende“
Am Freitag, den 18.11.2011 findet der bundesweite Vorlesetag in der Stadtteilbibliothek in den Räumlichkeiten der Gesamtschule Osterfeld - GSO - in Oberhausen Osterfeld statt. Lokführer Martin Kujawa liest ca. 40 Kindern der Fantasiewerkstatt St. Pankratius, Geschichten aus dem Buch - Jim Knopf der Lokomotivführer - vor.Foto: Tom Thöne

Oberhausen.   Der Vorschlag, die drei Stadtteilbibliotheken Sterkrade, Osterfeld und Schmachtendorf zu schließen, löst vielerorts harsche Kritik aus

Die Kommune untersteht harten Sparzwängen und muss drastisch die Mittel kürzen. Doch dass es in der „Lesestadt Oberhausen “ ausgerechnet den drei Stadtteilbibliotheken Sterkrade, Osterfeld und Schmachtendorf an den Kragen gehen soll, löste vielerorts harsche Kritik aus. Allen voran die Literarische Gesellschaft Oberhausen stemmt sich vehement gegen die Pläne.

Mit zahlreichen Aktivitäten wie der Organisation von Lesungen, Diskussionsrunden, Lesewettbewerben und Vorlese-Nachmittagen für Kinder sowie der Vermittlung von Lesepatenschaften trägt der Verein entscheidend dazu bei, dass die Leseförderung in Oberhausen einen hohen Stellenwert einnimmt und sich zu einem Markenzeichen der Stadt entwickelt hat.

Offener Brief an den Oberbürgermeister

Mit der Bitte, sich für den Erhalt aller drei Standorte einzusetzen, wandte sich der Vereinsvorsitzende Wilhelm Kurze jetzt in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Klaus Wehling . Darin beschreibt er die immense Bedeutung der Stadtteilbibliotheken für Oberhausen, die weit über einen rein praktischen Nutzwert hinausginge: „Bibliotheken sind nicht nur Stellen, an denen für kleines Geld Medien abgegriffen werden können.“ Sie seien Kommunikations- und soziale Begegnungsstätten, wo „professionelle Integrationsarbeit“ geleistet werde, sagt Kurze und sieht auch eine soziale Dimension in der Debatte: „Die Stadtteilbibliotheken werden auch von Kindern aus einkommensschwachen Familien genutzt. Wenn man denen auch noch die Fahrtkosten in die Stadt aufhalst, bekommen diese Kinder nur sehr schwer Zugang zu Büchern.“

Schließung würde den Zugang zu Bildungsgütern erschweren

Hans-Joachim Mattheis, Verwaltungsleiter der Zentralbibliothek, kennt den Alltag in den Stadtteilbibliotheken gut. „Die Zentralbibliothek ist mit ihren Zweigstellen auf die Bedürfnisse von Kindern und jungen Leuten zugeschnitten. Das Personal vor Ort nimmt sie an die Hand und zeigt ihnen, wie sie in der Bibliothek an Informationen gelangen oder die Bücher finden, die sie interessieren.“

Mit einer Beschränkung des Bibliotheksangebots auf einen einzigen Standort werde Kindern nicht nur der Zugang zu Bildungsgütern erschwert, sondern auch Angebote wie das Schülercenter in der Stadtteilbibliothek Sterkrade würden entfallen. Wilhelm Kurze ist sich bewusst, dass angesichts der prekären finanziellen Situation der Stadt akuter Handlungsbedarf besteht. Dennoch dürfe man nicht am falschen Ende sparen. „Wir haben über Jahre die Marke ‘Lesestadt Oberhausen’ mit vielen Aktionen aufgebaut. Diesen Erfolg dürfen wir nicht leichtfertig gefährden.“

Kristin Dowe


Kommentare
31.05.2012
08:25
„Sparen am falschen Ende“
von noidic | #1

Bei jedem Sparvorschlag wird es Leute geben, die dagegen sind. Ansonsten wären die Dinge ja längst umgesetzt.
Die Argumente der Gegner sind ja auch gut und richtig, nur wenn nicht am falschen Ende gespart werden soll, wo ist denn das richtige?
Bestimmt gibt es auch in OB Dinge, die offensichtlich schmertzloses Einsparpotenzial bieten. Doch mit denen bekommt man die Stadtfinanzen nicht saniert.

Ich fände es auch nicht schön, wenn die Stadtteilbibliotheken schliessen würden, aber immer noch besser als die beiden Hallenbäder zu schliessen und alle Vereine im Aquapark zu knubbeln, die dann in den Ferien auch den Trainings- und Wettkampfbetrieb ganz einstellen können, weil der Aquapark in den Ferien keine Vereine reinlässt...

Aus dem Ressort
Viele Oberhausener Lehrer wollen Turbo-Abi wieder abschaffen
Bildung
Viele Oberhausener Lehrer hatten sich 2010 für das Turbo-Abi ausgesprochen. Inzwischen haben etliche ihre Meinung geändert und fordern eine Rückkehr zu G9. Schulleiter Michael von Tettau erklärt im Interview, warum die Umstellung auf G8 ein Fehler war.
Polizei klärt Raubserie und nimmt 13 Jugendliche fest
Raubüberfälle
Die Oberhausener Polizei hat einer Bande krimineller Jugendlicher das Handwerk gelegt. Ermittler des Kommissariats für Jugendkriminalität haben 13 Teenager festgenommen, die acht Raubüberfälle verübt haben sollen. Ihre Opfer überfiel die Gruppe oft im Bereich zwischen Olga-Park und Hauptbahnhof.
Kaplan wäre heute ein Streetworker
Widerstand
Joseph Cornelius Rossaint wagte die Annäherung an Jungkommunisten. Der „Katholikenprozess“ vom April 1935 gilt als einer der spektakulärsten der NS-Zeit, inszeniert von Propagandaminister Joseph Goebbels.Der Volksgerichtshof verurteilte am 28. April 1937 Joseph Rossaint zu elf Jahren Zuchthaus.
Kleider erzählen Geschichte
Weltkriegs-Ausstellung
Historische Kleidungsstücke werden im Behrens-Bau für die große LVR-Schau zum Ersten Weltkrieg präpariert. Eine Zeitreise präsentiert Arbeiterin und die – vordergründig distinguiert auftretende – Prostituierte, das revolutionäre Charlestonkleid (ohne Korsett) und Autofahrermantel für sie und ihn.
Auf Oberhausener RAG-Fläche soll Logistikpark entstehen
Wirtschaft
Der vor langer Zeit eingestielte Plan, auf dem Gelände des RAG-Konzerns an der Waldteichstraße einen Logistikpark zu errichten, bekommt neuen Auftrieb. Der Vorstandschef der Duisburger Hafen AG, Erich Staake, kündigte an, dass auf der 230.000 Quadratmeter großen Fläche ein Logport entstehen soll.
Fotos und Videos
Gewerbegebiet Erlengrund
Bildgalerie
Straßen in Oberhausen
Schmachtendorfer Straße
Bildgalerie
Straßen in Oberhausen
RWO - Bayer Leverkusen
Bildgalerie
Regionalliga West
Der schöne Schein
Bildgalerie
Lichtkunst