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Sozialdemokraten sind froh, dass die „K-Frage“ geklärt ist

29.09.2012 | 08:00 Uhr
Sozialdemokraten sind froh, dass die „K-Frage“ geklärt ist
Peer Steinbrück und Michael Groschek bei einer SPD-Diskussionsveranstaltung im Theater Oberhausen.Foto: Hayrettin Özcan

Oberhausener Sozialdemokraten zeigen sich froh darüber, dass die „K-Frage“ in der Bundespartei geklärt ist. Sie schätzen den gestern nominierten SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück, alle roten Herzen fliegen ihm aber nicht gleich zu. Seine Kompetenz wird anerkannt, seine Volksnähe von einigen aber als noch ausbaufähig eingeschätzt. Als ehemaliger NRW-Ministerpräsident würde ein Kanzler Steinbrück die Probleme der klammen Ruhrgebietsstädte in Berlin nicht aus den Augen verlieren, ist eine Hoffnung in der örtlichen SPD. Dieses Bild ergab eine kleine Umfrage.

„Die Nachricht kam für mich völlig überraschend“, sagt der Ratsfraktionschef und Landtagsabgeordnete Wolfgang Große Brömer. „Die Entscheidung finde ich gut. Steinbrück ist der Gegenpart zu Merkel. Das ist ein Signal, dass nicht heimlich an einer Großen Koalition gebastelt wird, sondern die SPD auf Sieg setzt.“ Als Fachmann in Finanz- und Wirtschaftsfragen habe sich Steinbrück ein Profil verdient, was Frank-Walter Steinmeier nie geschafft habe.

Der Sterkrader Bezirksvorsteher Dieter Janßen ist mit Blick auf die Bundestagswahl 2013 skeptisch: „Steinmeier kommt besser rüber, er ist sympathischer. Steinbrück dagegen wirkt steifer. Er hat etwas Oberlehrerhaftes. Steinbrück ist kompetent in der Finanzpolitik, aber Steinmeier wäre die volksnähere Lösung.“

Sein Osterfelder Kollege Karl-Heinz Pflugbeil war zunächst etwas überrascht, dass Steinbrück jetzt der Auserwählte ist. Unzufrieden ist er aber nicht. „Er ist der richtige Mann. Zudem kennt er Nordrhein-Westfalen und natürlich auch das Ruhrgebiet.“ Darum erhofft sich Pflugbeil auch, dass Steinbrück die Themen Armut und Kommunalfinanzen angehen wird. „Außerdem wird Peer Steinbrück im Wahlkampf aufzeigen können, wer für die Eurokrise verantwortlich ist.“

„Ich denke das ist eine gute Entscheidung“, sagt Dirk Vöpel, Bezirksbürgermeister von Alt-Oberhausen und Bewerber um die Bundestagskandidatur. „Peer Steinbrück hat die höchsten Sympathiewerte.“ Neben einer Strahlkraft nach außen, erhofft sich Vöpel eine Mobilisierung innerhalb der Partei. „Steinbrück ist in meinen Augen der Kandidat, der Angela Merkel am meisten ärgern kann. Steinbrück ist ein ausgesprochener Finanzexperte. Das hat er in seiner Zeit als Bundesfinanzminister bewiesen.“ Deutschland würde ohne Steinbrück nicht da stehen, wo es heute ist.

Juso-Vorsitzender Maximilian Janetzki, der sich ebenfalls für die SPD-Bundestagskandidatur bewirbt, ist froh, dass nun Gewissheit besteht. „Ich persönlich hatte unter den drei möglichen Kandidaten keinen Favoriten. Wichtig ist es, dass die Parteibeschlüsse der letzten vier Jahre in ein Regierungsprogramm umgesetzt werden. Die Aufgabe von Peer Steinbrück wird es dann sein, diese Ideen zu vertreten.“ Die Auseinandersetzung mit der amtierenden Kanzlerin habe Steinbrück nicht zu fürchten. „Im Wahlkampf mit Angela Merkel wird es darauf ankommen, die Inhalte authentisch rüberzubringen. Das traue ich Peer Steinbrück absolut zu.“

Henrike Greven, Verdi-Vorsitzende und ebenfalls Mitbewerberin um das Bundestagsmandat, hätte auch jeden anderen Kanzlerkandidat mitgetragen. Wichtig sei ihr, dass die Themen im Vordergrund stehen. Steinbrücks „aktuellen Aufschlag zur Regulierung der Finanzmärkte fand ich sehr interessant. Das deckt sich mit meinen Ansichten und meiner Forderung nach einer Finanztransaktionssteuer. Peer Steinbrück ist ein streitbarer Genosse“, findet die Gewerkschafterin, ohne das als Nachteil zu empfinden. „Ich glaube schon, dass er sich gegen Angela Merkel deutlich positionieren kann.“ Greven glaubt zudem, dass Steinbrück die Situation klammer Kommunen in NRW nicht ignorieren wird. „Ich bin mir sicher, dass er ein Ohr haben wird für die Probleme der Menschen im Ruhrgebiet.“

Parteichef Michael Groschek ist froh, dass das Kandidatenkarussell „zum Stoppen gekommen ist. Da hatte manch einer nur noch Schwindelgefühle.“ Der NRW-Verkehrsminister erinnert an eine Diskussionsveranstaltung zur Finanzkrise im proppenvollen Theater, bei der Steinbrück vor einem Jahr die Besucher für sich eingenommen hatte: „Die Leute hätten beim Rausgehen Eintrittsgeld bezahlt.“ Steinbrück sei „rhetorisch brillant“ und „ökonomisch der Schlauste“ der drei möglichen Kandidaten. Groschek: „Ich glaube, dass Steinbrück der nächste Bundeskanzler wird.“

Marcel Sroka und Christian Icking



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