Silvester - viel Arbeit für Telefonseelsorge Oberhausen

An Silvester rufen die meisten Menschen bei der Telefonseelsorge in Oberhausen an.
An Silvester rufen die meisten Menschen bei der Telefonseelsorge in Oberhausen an.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die meisten denken, die schwierigste Zeit für einsame Menschen ist Weihnachten. Die Profi-Berater der Oberhausener Telefonseelsorge wissen es besser.

Oberhausen.. Die Mitarbeiter der Telefonseelsorge haben in diesen Tagen viel zu tun. Weihnachten ist eine Zeit, in der ihre Telefone häufig klingeln. Doch der Tag mit den meisten Anrufen des Jahres steht den ehrenamtlichen Mitarbeitern in diesem Jahr erst noch bevor: „Silvester ist für viele Menschen viel kritischer als Heiligabend“, sagt Olaf Meier, der für Oberhausen, Mülheim und Duisburg zuständige Leiter der Telefonseelsorge.

Während es am Abend des 24. Dezembers zahlreiche Angebote für einsame Menschen gebe, sei die Nacht des Jahreswechsels weniger stark sozial abgedeckt. „Silvester ist ein Fest, das oft im privaten Rahmen begangen wird. Da muss jeder selbst gucken, wo er unterkommt. Und es gibt viele Leute, die an diesem Abend einsam bleiben.“

Zwölf Monate Vorbereitung

Die Telefonseelsorge Oberhausen, Mülheim, Duisburg wurde vor 40 Jahren gegründet. Mehr als 720.000 Anrufe sind seitdem bei der Beratungsstelle eingegangen. Um die Sorgen der Anrufer kümmern sich 120 Mitarbeiter. Sie besetzen die telefonische Hotline rund um die Uhr, sieben Tage in der Woche, 365 Tage im Jahr.

Um diesen Service dauerhaft aufrechterhalten zu können, sucht die Telefonseelsorge derzeit nach neuen Mitarbeitern. Im kommenden Frühjahr startet die Einrichtung eine neue Ausbildungsrunde für Ehrenamtler: Zwölf Monate lang werden die Interessenten dann auf den selbstständigen Dienst am Telefon vorbereitet.

Eine, die diese Ausbildung bereits durchlaufen hat, ist eine 58-jährige Frau, die wir in diesem Text Maria Müller nennen. Sie heißt eigentlich ganz anders. Doch oberstes Prinzip bei der Telefonseelsorge ist Anonymität. Wer dort anruft, braucht seinen Namen nicht zu nennen. Und auch die Mitarbeiter melden sich nicht mit ihren Namen. Und wenn ein Anrufer die Hotline der Telefonseelsorge anwählt, wird seine Nummer nicht übermittelt. Das dient dem Schutz aller Beteiligten.

Schon seit etwa zwei Jahrzehnten gehört Maria Müller zum Kreis der Ehrenamtlichen. Oft übernimmt sie die Nachtschichten am Beratungstelefon. „Nächte ohne Anrufe? Das gibt es nicht“, sagt sie. „Länger als 20 Minuten steht das Telefon eigentlich nie still.“

"Wir sind keine Therapeuten"

Sprechen wollen die Anrufer oft über persönliche Krisen verschiedener Art: über Krankheiten, Beziehungsprobleme oder über Prüfungsängste.

Dass jemand ankündige, sich das Leben nehmen zu wollen, komme selten vor – aus der internen Statistik gehe hervor, dass das Thema „Selbstmord“ nur bei zwei Prozent aller Anrufe eine Rolle spiele.

Als Voraussetzung für den Dienst bei der Telefonseelsorge gelten laut Müller besonders diese Fähigkeiten: zuhören können und sich auf einen fremden Menschen einlassen. „Wir sind keine Therapeuten“, stellt Müller klar. „Wenn wir nicht weiterhelfen können, vermitteln wir den Kontakt zu professionellen Beratungsstellen.“