Keine Chance dem Feuer
15.02.2010 | 19:32 Uhr 2010-02-15T19:32:00+0100
Wer glaubt, die Feuerwehr kommt nur, wenn es brennt, der irrt. Der Feuerwehr ist es sehr lieb, wenn gar nichts erst in Flammen aufgeht. Auch deshalb gibt es den vorbeugenden Brandschutz. Einen komplexen Arbeitsbereich, der die einzelnen Aufgabenfelder Stellungnahmen, Brandschauen, Brandschutzerziehung und -aufklärung sowie Brandsicherheitswachen umfasst.
Bei der Oberhausener Feuerwehr arbeitet eigens ein Team, das sich um den vorbeugenden Brandschutz kümmert. Einerseits. Andererseits fahren die Feuerwehrleute auch zu Einsätzen raus. „Wir haben zwei Hüte auf“, sagt Jochen Reuschenbach (48). Und Mark Lindemann (42) erklärt ganz pragmatisch: „Man sieht es an den Kragen.“ Weiße Hemdkragen gleich Bürodienst. Blaues Outfit heißt, es geht im Falle eines Falles raus. Was hat es nun mit dem ersten Bereich, den Stellungnahmen auf sich?
Vor den Männern auf dem Tisch liegt der Plan für einen neuen Lidl-Markt. „Bei großen Bauobjekten müssen laut Gesetz Brandschutzgutachten erstellt werden“, sagt Frank Schupp (45). Die Feuerwehr wird dann vom Bauordnungsamt beauftragt, das Gutachten zu prüfen. Notausgänge, Feuerlöscher, Brandmeldeanlagen, Wasserversorgung, all das sind Aspekte, die berücksichtigt werden. Gerd Auschrat (48): „Wichtig ist auch die bauliche Beschaffenheit von Dächern, dass die einsturzsicher sind.“ Oder: Dass sich Menschen im Gebäude auch selbst in Sicherheit bringen können.
Auschrat ist froh - auch vor dem Hintergrund des Strukturwandels, dass sie es in Zusammenarbeit mit der Ordnungsbehörde in der Regel innerhalb von vier Wochen schafften, solch ein Gutachten vorzulegen. Sich neue Unternehmen also rasch ansiedeln könnten.
Doch steht so ein Gebäude erst einmal, ist die Arbeit für die Feuerwehr damit noch lange nicht erledigt. Dann sind die Brandschauen dran. „Das ist wie der TÜV beim Auto“, sagt Auschrat. In regelmäßigen Abständen überprüften sie die Gebäude, ob sie den Anforderungen auch noch entsprechen. 1500 Gebäuden fühlt die Oberhausener Feuerwehr so auf den Zahn. Davon sind 350 Großobjekte wie die Arena, die alle drei Jahre überprüft wird, oder das Centro. Das Centro zum Beispiel besuchen die Männer von der Wehr zusammen mit Mitarbeitern der Bauaufsicht „Beim Centro dauert nur die Begehung acht Wochen“, verdeutlicht Lindemann den riesigen Aufwand. Jeder Raum wird besichtigt. Alle Mängel zusammengefasst. Der Betreiber bekommt schließlich einen Bericht, mit der Auflage, die Mängel zu beheben. Wobei Auschrat sofort erklärt: „Das Centro ist ein Vorzeigeobjekt. Da sind höchstens Kleinigkeiten mal nicht in Ordnung.“ Lindemann spricht von „betrieblichen Mängeln, als die solche Kleinigkeiten auch bezeichnet werden. Das sind etwa verkeilte Türen oder ausgehängte Feuerlöscher. „Hätte jemand ein Loch in eine Brandwand geschlagen, etwa um da Kabel durchzuziehen, wäre das ein gravierender Mangel“, nennt Auschrat ein Beispiel für Schlimmeres. So ein Loch, das käme abgefahrenen Bremsbelägen am Auto gleich.
Übrigens: Sind alle festgestellten Mängel behoben, ist die Feuerwehr wieder da. Um noch einmal alles zu überprüfen. Außerdem, so Auschrat: „In der Regel kündigen wir uns vor einer Brandschau an, wir müssen es aber nicht.“

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