Senioren in Oberhausen entdecken den Karate-Sport für sich

Detlef Tolksdorf trainiert in seinem Gesundheitspark an der Mülheimer Straße Senioren im Karatesport.
Detlef Tolksdorf trainiert in seinem Gesundheitspark an der Mülheimer Straße Senioren im Karatesport.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Der japanische Kampfsport wird bei Älteren immer beliebter. Auch in Oberhausen schlüpfen Senioren in den weißen Karateanzug. Der Gesundheit tut’s gut.

Oberhausen.. Ein lauter, energischer Schrei erfüllt die Halle. Mit konzentriertem Blick schaut Manfred Bruhn seinem Gegenmann in die Augen. Sein Arm ist zur Abwehr ausgestreckt, die Muskeln sind angespannt. Manfred Bruhn ist 65 Jahre alt, Opa dreier Enkelkinder – und Karateka. Der Oberhausener hat im Gesundheitspark Taikosports an der Mülheimer Straße einen Kurs belegt, gemeinsam mit anderen Senioren.

Karate wird bei älteren Menschen immer beliebter. Das zeigt ein Blick auf die Statistik des Karate-Dachverbandes NRW: Seit 2009 sind die Zahlen der Neumitglieder der Generation 60 Plus stetig gewachsen. Vor sechs Jahren waren noch 183 Senioren dem Verband angeschlossen. Im vergangenen Jahr waren es bereits 393 Mitglieder im Rentenalter – mehr als doppelt so viele also.

Den Trend hat der Oberhausener Detlef Tolksdorf erkannt. Der Karateka hat sich mit seinem eigenen Gesundheitspark an der Mülheimer Straße selbstständig gemacht. Fester Bestandteil ist die Karateschule. Der 50-Jährige bietet Kurse für Kinder und Erwachsene an – und mittlerweile eben auch für Senioren.

„Mit mir nicht!“

Senioren wie Alois und Waltraud Postrach. Sport machen die über-70-Jährigen schon lange. Aber jetzt haben auch sie die japanische Kampfkunst für sich entdeckt. Barfuß und in ihren weißen Karate-Anzügen stehen sie auf der Matte der Sporthalle. Auch ihnen ist die Muskelspannung anzusehen. Mit breiten Schultern wehren sie einen Scheinangriff ihres Trainers ab.

Der Aspekt der Selbstverteidigung war Manfred Bruhn bei der Wahl der Sportart wichtig. „Es ist gut, wenn man mehr kann als weglaufen“, sagt der Oberhausener. Er weiß, dass er einen Angreifer körperlich vermutlich nicht aufs Kreuz legen kann. „Aber er kann durch seine Präsenz und seine Ausstrahlung seiner Umwelt sagen: Mit mir nicht, ein Angriff lohnt sich nicht!“

„Meine Körpersprache hat sich durch die Übungen sehr verändert“, sagt auch Waltraud Postrach. Früher ging sie gebückt, heute geht sie aufrecht durchs Leben. „Ich bin wer! Ich kann was! Ich tu was!“

Und genau das gehöre mit zu den Zielen des Trainings, sagt Detlef Tolksdorf. „Wir stärken die Gesundheit, aber auch das Selbstbewusstsein und das Selbstwertgefühl.“ Karate sei mehr als ein Sport, es sei eine Lebenseinstellung, eine Philosophie. „Es geht darum, präsent im Leben zu sein“, sagt Tolksdorf, der 1977 als 13-Jähriger mit dem Sport angefangen hat und sechs Jahre später Deutscher Meister wurde.

Training für Körper und Geist

Die positiven Auswirkungen auf die Psyche und die Physis von älteren Menschen belegt auch eine Studie der Uni Regensburg. Karate fördere die Motorik und stärke die kognitiven Fähigkeiten, heißt es dort. Der älteste Teilnehmer der Studie war 93 Jahre alt.

Karate steigere zudem die Konzentrations- und Koordinationsfähigkeit, die allgemeine Fitness und soziale Kompetenzen, sagt auch Susanne Nitschmann, die sich beim Karatedachverband NRW um die „Jukuren“, so heißen die älteren Karateka, kümmert. Das Übungssystem ist komplex und baut aufeinander auf – Training für Körper und Geist also.

Vor dem Karatesport müsse sich niemand scheuen, sagt Nitschmann. Krankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck, körperliche Gebrechen wie Hüft- oder Knieleiden seien kein Ausschlussgrund. „Die Trainer sind speziell geschult, die Übungen werden den Bedürfnissen angepasst.“ Eine allgemeine Sporttauglichkeit müsse natürlich vorher von einem Arzt getestet werden.