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Selbst der Bratapfel verdampft im Mund

06.10.2014 | 14:00 Uhr
Selbst der Bratapfel verdampft im Mund
So wie hier bei der Firma My Liquid konnten die Messebesucher auch an den Ständen der anderen Aussteller ordentlich Dampf ablassenFoto: Jörg Schimmel

Oberhausen.   Bei der E-Dampfermesse trafen sich die Fans der E-Zigarette. Für viele ist sie mehr als eine Alternative zum Tabakrauchen. Der Gebrauch der elektrischen Zigarette trifft aber auch auf Kritiker: Unlängst plädierte die Weltgesundheitsorganisation für eine harte Linie beim Umgang mit der E-Zigarette.

Sie stehen in kleinen Gruppen vor der Luise-Albertz-Halle oder sitzen in deren Restaurant. Ihr Erkennungszeichen ist ein meist silberfarbener, zylindrischer Stab, an dessen Spitze sie nuckeln und danach kräftig Dampf aus der Nase blasen. Sie selbst nennen sich E-Dampfer.

Mehrere Tausend von ihnen sind am Wochenende nach Oberhausen gepilgert, um sich am Samstag und Sonntag auf der dritten E-Dampfermesse nach Neuigkeiten für ihr Hobby zu erkundigen.

Die Gemeinde der E-Dampfer wächst: 2,5 Millionen Menschen, die zur E-Zigarette greifen, gibt es bereits in Deutschland. Der Gebrauch der elektrische Zigarette trifft allerdings auch auf Kritiker: Unlängst plädierte die Weltgesundheitsorganisation WHO für eine harte Linie beim Umgang mit der E-Zigarette. Nach Recherchen des Nachrichtenmagazins Focus könnten zumindest nikotinhaltige elektrische Zigaretten in Deutschland für Jugendliche verboten werden.

Der Raucher wird zum Sammler

Unter den Messebesuchern in Oberhausen ist das E-Dampfen mehr als ein Ersatz fürs Rauchen. Patrick Schmied (23) aus Regensburg wechselte vor zweieinhalb Jahr zur E-Zigarette. „Wenn man bei den Anfangsgeräten bleibt“, sagt er, „ist es preiswerter. Aber man fängt halt irgendwann an zu sammeln.“

Auch Heike Schnabel (42) aus Eitorf/Sieg wollte durch den Umstieg Geld sparen und gesünder rauchen. 20 Jahre lang hat sie täglich 20 Zigaretten gepafft. Vor zwei Jahren stieg sie um, verdampft heute noch zwei Milliliter Liquid. So nennt sich die Flüssigkeit, die im E-Dampfer in Rauch aufgelöst wird. Schnabel trägt stolz ein T-Shirt, das sie als Angehörige der E-Dampfer-Gemeinde ausweist.

Drinnen, im Foyer, empfängt die Besucher eine Mischung angenehmer Gerüche. Denn: Hier wird kein Tabak verbrannt. Liquid gibt’s in unzähligen Aromen, von Kirsch- über Rhabarber-, Melonen- und Kaffee- bis hin zu Uso-, Bratapfel- oder Eisgeschmack.

"Die meisten E-Dampfer sind Umsteiger"

An einem Messestand lässt sich ein bärtiger Mann ein paar Tropfen mit der Pipette in seine E-Zigarette einfüllen, schraubt den Kopf wieder auf und zieht daran. Dann darf auch sein Begleiter einmal probieren.

Volkmar Stendel aus Anklam in Sachsen-Anhalt engagiert sich für die Interessengemeinschaft der E-Dampfer, versteht sich gar als Verbraucherschützer. „Die meisten E-Dampfer sind Umsteiger“, sagt er. Ein neuer Wirtschaftszweig entstehe. „Die Tabakindustrie“, sagt er, „versucht zurzeit, Einweg-E-Zigaretten auf dem Markt zu etablieren.“ Da komme ihr die Europäische Union gerade recht, indem sie die Größe der Nachfüllpackungen für Liquids beschränken will. Stendel tritt für möglichst große Freizügigkeit ein.

Ohne Nikotin als Zusatz zum Aroma kommen die meisten E-Dampfer noch nicht aus. Als einer der führenden Hersteller hat sich die Firma Happy Liquid in München etabliert. Sie bietet 58 verschiedene Aromen in je vier Nikotinstärken an. Ein Apotheker, ein Arzt und ein Marketing-Experte gründeten sie 2010. Mittlerweile gibt es sieben Mitarbeiter.

Langzeitstudien fehlen noch

„Das Nikotin“, sagt Maximilian Mikli (37), der Apotheker, löst im Gehirn ein Wohlgefühl aus, mit dem Wunsch nach Wiederholung.“ Daher komme die Sucht, die sich auf ein Überbleibsel des Säugling-Nuckel-Reflexes stütze. Mikli berichtet etwa von Test, um die vermeintliche Unschädlichkeit seiner Liquids zu belegen.

Unabhängige Langzeitstudien über die gesundheitlichen Auswirkungen gibt es allerdings noch keine.

Martin Kleinwächter

Kommentare
28.10.2014
13:51
Selbst der Bratapfel verdampft im Mund
von Oli72 | #2

"Unabhängige Langzeitstudien über die gesundheitlichen Auswirkungen gibt es allerdings noch keine"

Zum rauchen von Tabakzigaretten gibt es allerdings...
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2014-10-06 14:00
Oberhausen, Messe, E-Zigarette, Rauchen, Weltgesundheitsorganisation
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