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Einbrüche

Sekundensache

21.10.2009 | 18:10 Uhr

Als „Einbruch in die Seele”, bezeichnet Kriminalhauptkommissar (KKH) Reinhard Quante, was in Oberhausen 2008 einige hundert Mal passierte. Unbekannte stiegen in Wohnungen ein, verwüsteten sie bei ihrer Suche nach Geld und Schmuck, ließen ein Schlachtfeld zurück.

„Manche Opfer waschen danach alles, was sie besitzen, weil da fremde Hände dran waren”, sagt KKH Johannes Paus, der mit Quante im Kommissariat Vorbeugung arbeitet.

Natürlich ist es ein Riesen-Schreck, in ein Zuhause zu kommen, in dem Fremde alle Ordnung und geliebte Dinge zerstörten, Schubladen rauszerrten, deren Inhalt auskippten, über die Sachen auf dem Boden wegtrampelten. Geschockt war auch eine 45-jährige Oberhausenerin, die gemeinsam mit ihrem Mann (46) ein Lottogeschäft betrieb. „Eines morgens, als meine Frau zum Geschäft kam, war dort eingebrochen worden”, erzählt der Mann. Die Einbrecher hatten ein Schutzgitter herausgerissen, die Scheibe der Eingangstür eingeschlagen. „Sie haben heftig gewühlt, Zigaretten und hochwertige Kugelschreiber gestohlen”, so der 46-Jährige.

„Da war der Schreck, dass jemand in unserem Geschäft war”, schildert der Mann. „Monatelang hatte meine Frau Angst, morgens wieder auf so chaotische Zustände zu treffen, und ich musste sie zum Geschäft begleiten.”

Paus dazu: „Dabei waren in dem Laden nicht einmal persönliche Gegenstände.” Er weiß von einem Ehepaar, das ein Haus in Sterkrade verkaufte, weil die Frau dort nach einem Einbruch nicht mehr leben konnte. Die Inhaber des Lottogeschäftes hatten übrigens privat mehr Glück. Der Mann berichtet: „An einem Nachmittag im Winter bin ich um 16 Uhr nach Hause gekommen und gleich wieder los, einkaufen.” Dabei löschte er im Haus das Licht. Dunkelheit aber ist für Einbrecher das Signal: Es ist niemand zuhause. „Ich war nur 20 Minuten weg, in dieser Zeit hat ein Einbrecher versucht, die Eingangstür aufzubrechen”, so der 46-Jährige. Der Täter scheiterte an der Sicherheitstechnik der gerade neu eingebauten Tür. „Darauf hatte ich Wert gelegt”, sagt der Mann. Seine Frau hätte so ein bisschen gergrummelt wegen der Kosten. Aber nach dem Einbruchversuch sei er der „strahlende Held” gewesen – besonders auch nach den Erfahrungen mit dem Lottogeschäft.

Im vergangenen Jahr gab es übrigens 700 Wohnungseinbrüche in Oberhausen. Bei einem Drittel davon blieb es beim Versuch. „Auf die hohe Versuchszahl sind wir vom Kommissariat ein bisschen stolz”, sagt Paus. Dann zeigt er das Werkzeug eines Einbrechers. Einen großen Schraubenzieher. Und wie man damit in Sekunden ein nicht entsprechend gesichertes Fenster öffnet. Und er lächelt ein wenig über das landläufige Bild vom Einbrecher in dunkler Kluft mit Köfferchen. „Einbrecher”, sagt Paus, „sind ganz normale Menschen”. Meint, sie fallen nicht weiter auf.

Andrea Micke

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