Schüler wagen sich an die „Hexenjagd“

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Schülerinnen und Schüler der Freien Waldorfschule in Dinslaken wagen sich an ein ehrgeiziges Projekt: Sie führen die „Hexenjagd“ von Arthur Miller auf. Akteure sind die Jugendlichen der zwölften Klasse.

Zum Inhalt: Als in dem kleinen Städtchen Salem der Pfarrer seine Tochter und andere Mädchen bei verbotenen Tänzen im Wald überrascht und einige der Mädchen unerklärlich krank werden, entstehen Gerüchte über Hexerei und Teufelsanbetung. Sie setzen ein grausames Spiel um Aberglaube, Religion, Lüge, Ehre und Macht in Gang, das ein böses Ende zu nehmen droht.

Es geht um den Hexenwahn in der frühen Neuzeit, aber auch um gesellschaftliche Entwicklungen, die immer wieder auftreten können. Das Stück, das in der Schule an der Eppinkstraße aufgeführt wird, wendet sich gegen Angst, Denunziation und den Missbrauch politischer Macht.

Die Schüler haben unter der Leitung des Regisseurs und Schauspielers Carl-Herbert Braun diesen Klassiker des 20. Jahrhunderts neu inszeniert und sich mit Arthur Miller (1915 – 2005) einen hochpolitischen Autor ausgesucht: Als Sohn eines jüdischen Einwanderers in New York geboren, prägte ihn die Depressionszeit der 30er-Jahre und weckte sein kritisches Bewusstsein. 1947 gelang ihm der Durchbruch am Broadway mit dem Drama „Alle meine Söhne“ mit zentralen Themen wie Vater-Sohn-Konflikt und Verdrängung persönlicher und gesellschaftlicher Verantwortung.

Die „Hexenjagd“ und sein soziales Engagement trugen dazu bei, dass Miller in den 50er-Jahren als Amerikagegner verdächtigt wurde. Er sollte Namen von Personen nennen, die an kommunistischen Schriftstellertreffen teilgenommen hatten, verweigerte die Aussage und wurde wegen „Missachtung des Kongresses“ zu einer Gefängnis- und Geldstrafe verurteilt. Das Urteil wurde ein Jahr später aufgehoben.