Schüler erleben in Oberhausen Integration durch Crossboccia

Crossboccia macht Spaß. Auch viele Flüchtlingskinder nahmen teil.
Crossboccia macht Spaß. Auch viele Flüchtlingskinder nahmen teil.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Neuer Trendsport dient als Brücke der Kommunikation. Nicht der Wortschatz, sondern der Wurf zählt. Bälle fliegen über Tische, Bänke, Bäume, Kästen.

Oberhausen.. Keyler wirft den Marker. Im hohen Bogen segelt der kleine Ball durch die Luft und landet auf dem Asphalt. Der Junge grinst und hält sich die Hände vor das Gesicht. Die Mitspieler des Drittklässlers wissen nun: Ab jetzt zählen nur noch Würfe mit geschlossenen Augen.

Crossboccia steht an diesem Vormittag in der Alsfeld-Grundschule auf dem Stundenplan. Dieser Trendsport ist eine Abwandlung des klassischen Boule. Auch beim Crossboccia geht’s darum, durch gezielte Würfe möglichst nah an einen Marker zu kommen. Die großen Unterschiede: Anstatt schwere Kugeln werfen die Spieler leichte Bälle. Zudem verschwinden die Grenzen. Treppen, Tische, Bänke, Kästen oder Bäume können in das Spiel integriert werden.

Würfe durch die Beine

Besonders ist auch der erste Wurf. „Wer den Marker setzt, kann anschließend die Regeln bestimmen“, sagt Norbert Koch vom Landessportbund. Er hat die Rolle des Turnierleiters übernommen und erklärt den Schülern, welche Varianten möglich sind. Würfe durch die Beine, mit der schwachen Hand und über eine Bande – alles ist erlaubt. Koch mag Crossboccia, weil es jeder spielen kann: „Es ist nicht notwendig, Deutsch zu verstehen. Beim Crossboccia klappt die Kommunikation auch ohne Worte“.

Deshalb haben auch das Kommunale Integrationszentrum (KI) und der Stadtsportbund den Trendsport für sich entdeckt. Crossboccia soll die Oberhausener Schulen erobern. Dieter Kalthoff hat bei einer Netzwerkveranstaltung in Hachen selbst mal eine Runde gespielt und den integrativen Aspekt sofort erkannt. „Wenn es Probleme mit der Verständigung gibt, kann der Sport als Brücke dienen“, sagt der Bereichsleiter „Integration durch Sport“ im KI.

Diese Brücken sind an Oberhausener Schulen sehr wichtig. 40 Prozent der Kinder haben Migrationshintergrund. Unter diesen befinden sich viele Flüchtlinge, die kein oder nur wenig Deutsch sprechen. Für sie hat Oberhausen auch das Konzept der Internationalen Vorbereitungsklassen entwickelt. 26 gibt es davon im ganzen Stadtgebiet.

Schüler aus der Regenbogenklasse

Ulrike Baum ist an der Alsfeld-Grundschule Lehrerin der sogenannten Regenbogenklasse. Acht Schüler sitzen bei ihr derzeit im Unterricht. Sie stammen aus Mazedonien, Syrien oder Kenia und versuchen nun, eine unbekannte Sprache zu erlernen. Wer, wie der junge Kubaner Keyler, Fortschritte macht, kann in eine Regelklasse wechseln. Doch das spielt an diesem Vormittag keine Rolle: Die Schüler punkten schließlich durch präzise Würfe und nicht mit ihrem Wortschatz.

Nachdem die Bälle alle gelandet sind, geht es zur Auswertung. Keylers Team entscheidet die erste Runde zu seinen Gunsten. Klassenkameradin Miriam holt sich mit ihrer Mannschaft die zweite. „Wer gewinnt, ist aber gar nicht so wichtig“, sagt das Mädchen. „Wichtig ist, dass wir alle Spaß haben.“

Schon fliegt der Marker wieder durch die Luft. Diesmal soll hinter dem Rücken geworfen werden. Miriam macht es vor und alle Mitschüler verstehen, was sie will.