Schöne Bäume im Centro
31.10.2009 | 09:00 Uhr 2009-10-31T09:00:00+0100Dreimal im Jahr werden die Bäume in Centro hübsch gemacht. Sonst würden sie nicht weiter wachsen.
Das ist also die moderne Melodie der Nacht. Unter einem Himmel aus Neonlicht klingen das Surren eines Hubsteigers, das Rauschen einer Reinigungsmaschine und Wassergeplätscher kontrapunktisch gegeneinander an. Gerade einmal drei Menschen, die „Musiker” an den ungewöhnlichen Klanginstrumenten, bewegen sich durch das Centro. Kurz vor der Geisterstunde ist es in den sonst extrem stark bevölkerten Hallen des Kommerztempels gespenstisch menschenleer. In der Glaskuppel des Einkaufszentrums spiegelt sich grün einer der Hauptdarsteller dieses Abends: ein Schwarzer Olivenbaum.
Um es profan auf den Punkt zu bringen: Einmal schütteln, schneiden, waschen, das ist das, was den Bäumen im Centro in dieser Nacht und vier weiteren Nächten geschieht. Spätestens, wenn auch die letzten Bummler per Lautsprecher sanft gemahnt werden „Liebe Gäste, das Einkaufszentrum schließt jetzt gleich”, dann gehört das Terrain Bettina Sobbe, Michael Schierenberg und Uwe Rieß. Die drei sind von der Haus Vogelsang GmbH. Das ist ein Gärtnerunternehmen aus Datteln mit über 300 Mitarbeiter. Und das Trio rückt dreimal im Jahr zu den schnittigen Nachtschichten aus, um die Bäume im Centro zu pflegen.
Stattliche Geschöpfe
Bitte fragen Sie jetzt nicht, welche Bäume denn. Es sind imposante, stattliche grüne Geschöpfe, die im alltäglichen Menschengewimmel seltsamerweise oft übersehen werden. „Es gibt hier 50 Großbäume”, erzählt Bettina Sobbe (34), die die Abteilung Innenraumbegrünung von Haus Vogelsang leitet. Zwei Palmensorten und verschiedene Laubbäume wachsen bis zu acht Meter dem Glaskuppel-Himmel entgegen. Es grünt der Ficus nitida oder die Adonidia Palme (Weihnachtspalme). Und dann wachsen und gedeihen von Anbeginn des Centros an in seinen Hallen die Schwarzen Olivenbäume, die Lieblinge Bettina Sobbes. Die Gartenbautechnikerin gerät ins Schwärmen, wenn sie von ihnen spricht: „Die gibt es in dieser Größe deutschlandweit nur hier.” 60 Jahre haben die Riesen, die vor ihrem Einzug ins Centro bereits groß waren, auf dem Buckel So hochgewachsen gibt es sie nicht mehr zu kaufen, sagt Sobbe.
Während die Männer unten am Boden bewegliches Mobiliar an den Rand geschoben und alles Übrige mit Planen abgedeckt haben, geht Sobbe in die Luft. Langsam und bedächtig in der kleinen Kanzel des Hubsteigers. Wie singt Reinhard Mey: „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein”. Am gläsernen Himmel des Centro sind die Grenzen menschlichen Höhenstrebens schnell erreicht. Dennoch ist es ein erhabenes Gefühl so über den Wipfeln eine Baumes zu schweben, der eigentlich aus Indien stammt, jetzt besonders oft in Florida wächst und eben im Oberhausener Centro. Obwohl, Oliven produziert er nicht. „Nur unscheinbare kleine Blüten”, sagt die Fachfrau.
Bäumchen rüttel dich
In der Hand hält Bettina Sobbe eine Schere. Ach ja, eh sie beginnt, den Baum fachgerecht zurückzuschneiden, damit er auch im unteren Bereich schön voll weiter wächst, haben ihre Kollegen bereits frei nach den Gebrüdern Grimm „Bäumchen rüttel dich und schüttel dich, wirf alle trockenen Blätter über mich!“ gespielt. Zu dem trockenen Laub gesellen sich Zweige, die die Gartenbautechnikerin gekonnt aus dem Baum schneidet. Am Boden fegen ihre Kollegen derweil Blätter und Grün zusammen. Denn nun folgt der nächste Schritt. Sobbe fährt kurz nach unten, schnappt sich einen Schlauch. Fährt wieder hoch und beginnt, den Baum zu duschen. „Es ist hier extrem staubig, die Pflanzen saugen den Staub regelrecht auf”, sagt Sobbe. Damit sie gut weiter wachsen können, ist es wichtig, sie zu säubern. An den fünf Tagen, in denen die Drei wie die Heinzelmännchen jenseits des Einkaufstrubels schaffen, verbrauchen sie 6 000 Liter Wasser. Damit das Einkaufszentrum nicht zu einem Schwimmbad wird, nimmt eine Industriemaschine das Wasser am Boden direkt wieder auf. „Wie schmutzig die Bäume waren, sieht man an der Schwärze des Wassers”, sagt Sobbe. Morgens um sechs, wenn die Drei ihre Schicht beenden, wird auch für diesen Schwarzen Olivenbaum die Welt wieder in Ordnung sein. Frisch geduscht empfängt er die Käufer in seinem immer grünen Kleid – wie es eben seine Natur ist.
15:32
hmm pflegen die auch die bäumchen draussen oder sind das die städter wirtschaftbetriebe??