Schlecht gewählt

Oberhausens Wilder Westen. Der Bezirk Innenstadt/Altstadt sei Oberhausens „Wilder Westen“ heißt es in einem Bericht über das Netzwerk „Aktiv für Arbeit und Stadtteil“ im Lokalteil Oberhausen der WAZ vom 27. Dezember 2014. Auf seiner Homepage nennt das Netzwerk diesen Bezirk ein „Problemgebiet“, in dem es Hilfe durch „Netzwerkcoaching“ anbietet. Das klingt etwas spröde und ist ohne Erläuterung nicht leicht zu verstehen. Es scheint, Sie wollten mit einem bildlichen Ausdruck etwas anschaulich machen, was mit Worten schwierig zu beschreiben ist, aber das Bild ist schlecht gewählt. Unter „Wildem Westen“ verstehen wir eine Gegend ohne Zivilisation. Zahllose „Western“-Filme zeigen Abenteuer vor einem Hintergrund von Gesetzlosigkeit, Faustrecht, Alkohol-Missbrauch und Prostitution, der unser Bild vom „Wilden Westen“ bis heute bestimmt. Sie nennen diesen Stadtbezirk „Wilder Westen“, weil dort auf Hartz IV angewiesene Familien, Personen mit Migrationshintergrund, alleinerziehende Eltern und arbeitslose Jugendliche dichter beieinander wohnen als in anderen Stadtteilen. Bestätigt die Oberhausener Kriminalstatistik ein derartiges Vorurteil? Ich hoffe, der bildliche Ausdruck wurde ohne diffamierende Absicht gewählt. Er verrät aber etwas über Sorgfalt beim Schreiben. Dr. Lothar Rupprecht