Schiff ahoi
23.05.2008 | 17:34 Uhr 2008-05-23T17:34:00+0200Opa Johannes verdiente sein Geld als ehrenwerter Schleusenvorsteher, Onkel Johannes steuerte gar ein eigenes Binnenschiff. Da schlug Friedhelm Miltz doch ganz schon aus der Art, als er sich für eine kaufmännische Lehre entschied. Doch den heute 72-jährigen Oberhausener zog vor einem halben Jahrhundert wieder zurück zum Wasser. Er überredete Mutter und Stiefvater, beruflich direkt an der Liricher Schleuse des Rhein-Herne-Kanals vor Anker zu gehen. „Zum Anker lautet folgerichtig der Name des Ausfluglokales, das seine Türen exakt am 25. Mai 1958 öffnete. Der alte Hühnerstall war zum gastronomischen Betrieb aufgemöbelt worden. „Schaulustige”, so erinnert sich der heutige Anker-Wirt, „gab es damals schon reichlich.” Der Fußweg entlang der Wasserstraße ließ so manchen Wanderer dürsten. Für alle eine Augenweide stellte der Schleppbetrieb auf dem Rhein-Herne-Kanal dar. Mit Kohlenfeuerung betriebene Dampf-Schlepper brachten die nicht Motorisierten Lastkähne von Schleuse zu Schleuse, wo sie z.B. in Lirich von der E-Lok-Hexe in das Becken gezogen wurden. Lieferscheine der König-Brauerei belegen, dass an der Schleuse 25 Hektoliter die Woche durch den Zapfhahn flossen. Ein gutes Zubrot steuerten anfangs auch die Schiffer bei. Damals gab es ja kein Handy. Weil abends um 21 Uhr der Schleusenbetrieb eingestellt wurde (das änderte sich erst 1979 nach dem Umbau der Anlage), gingen die Schiffer an Land, um fernmündlichen Kontakt zu Familie und Freunden aufzunehmen. Friedhelm Miltz: „Mehr als 1500 Mark Telefongeld pro Monat waren damals keine Seltenheit.” Als Gaststätte überleben konnte „Zum Anker” auch, weil viele Firmen hier ihre Betriebsfeiern ansiedelten, der Wirt: „Wegen der Nähe zu den drei Friedhöfen in Buschhausen, Meiderich und Lirich sind wir auch ein gern genutzte Adresse für Rauen.” Statt der Wanderer steuern heute vorwiegend Radler den „Anker” an. Und nach wie vor Väter, die den Kindern die Schleuse zeigen.
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