Schicksal: ausgesetzt!
28.11.2007 | 17:38 Uhr 2007-11-28T17:38:00+0100Der Tierschutzverein mahnt: keine unbedachten Weihnachtsgeschenke - und braucht dabei selbst Hilfe. Zu viele Katzen, zu wenig Geld. Und ein neues Gehege für die kleinen Nager soll auch noch gebaut werden
Es sieht aber auch zu niedlich aus, so ein Meerschweinchen mit roter Schleife drum unterm Weihnachtsbaum. Weniger heimelig ist der Anblick angeleinter Haustiere an Mittelleitplanken oder auf Parkplätzen. Schicksal: ausgesetzt! Der Tierschutzverein mahnt - und braucht dabei selbst Hilfe. „Bitte beachten Sie die Verantwortung und die Folgekosten”, appelliert Werner Tackenberg als erster Vorsitzender. „So eine Katze beispielsweise, die lebt rund 15 Jahre.” Doppelt so lang wirkt der Tierschutzverein jetzt schon in Oberhausen - und die Katze wurde dabei nicht von ungefähr beim Namen genannt. So ein Problem wie aktuell gab es noch nie mit den Stubentigern. Keine zwei Wochen ist es her, dass aus einer Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung in der City-West 38 Katzen befreit worden sind (wir berichteten). Eine Überbelegung hatte es im Tierheim aber schon davor gegeben. Die nüchternen, gleichsam ernüchternden Zahlen: Allein dieses Jahr wurden 210 Hauskatzen aufgenommen; da nur sechs als vermisst gemeldet wurden, müssen die anderen als ausgesetzt betrachtet werden. 115 kamen ins Tierheim, dessen Auslastung an seine Grenzen stößt, die anderen in ein eigenes Katzenhaus an der Grillostraße. Das wird seit vielen Jahren geführt von Monika Schnädter, der zweiten Vereinsvorsitzenden. Hier sollen freilebende Katzen in Ruhe und Sicherheit ihren Wurf zur Welt bringen. Um die tierische Übervölkerung bereits im Vorfeld einzudämmen, werden die Streuner vorübergehend eingefangen und kastriert. Von solchen Katzenfallen, die man sich vorstellen kann wie überdimensionale Mausefallen, gibt es 15 Stück in Oberhausen, „die meisten aber sind Schrott”, sagt Tackenberg - und neue kosten eben Geld. Anderes Beispiel: „Eine Katze wurde auf der Hermann-Albertz-Straße angefahren und schwer verletzt. Der Autofahrer fuhr einfach weiter. Anwohner brachten sie in die Tierklinik Duisburg, wo ihr Kieferbruch operiert wurde. Zur Zeit erholt sie sich im Katzenhaus und ist bald wieder putzmunter. Der Besitzer hat sich nicht gemeldet, so das der Tierschutzverein die Kosten für die Operation übernimmt.” Noch ein Teuer-Faktor: Kaninchen. In Königshardt hat Astrid Sigismund, ein weiteres rühriges Mitglied, eine Fläche ihres Grundstücks abgetrennt, um kleine Nager bis zur Vermittlung pflegen und versorgen zu können. „In unserer Wegwerf-Gesellschaft kommt es leider immer häufiger vor, dass sie einfach entsorgt werden”, so Tackenberg. Jetzt im Winter müsste dieses Quartier aber wetter- und marderfest gemacht werden. Ihm schwebt ein Dach vor so ähnlich wie ein Carport bei Autos. Erst letztens sei da ein Fuchs eingebrochen, was gleich zwei Tiere das Leben kostete. „Eins wurde gefressen - das andere hat einen Herzinfarkt erlitten.” „Dies alles lässt sich nicht aus Beiträgen finanzieren.” 500 Mitglieder zählt der Verein, ehrenamtlich alle, versteht sich. Doch bei durchschnittlich zwei Euro Monatsbeitrag langt es nicht einmal für die Tierarztkosten von 2500 Euro pro Monat für Untersuchungen und Verarztungen, rechnet er vor. Jeden ersten Samstag, „bei Wind und Wetter”, tragen einige Damen noch etwas bei mit einem Trödelmarkt vor der Herz-Jesu-Kirche am Altmarkt. Trotzdem: „Helfen Sie uns, den weggeworfenen Nagern ein vorübergehendes Zuhause zu ermöglichen”, heißt es im Spendenaufruf des Tierschutzvereins. Und was das Weihnachtsgeschenk auf vier Pfoten betrifft: „Wenn schon, dann bitte aus dem Tierheim holen.” Dort gibt's die Rückgabe-Garantie.

0mitdiskutieren