„Roxy“ weckt Erinnerungen

„Roxy“ heißt der sechste Roman von Dietmar Sous. Er ist nicht nur der Name, den sich der jugendliche Held und Ich-Erzähler nach seiner Lieblingsband ‚Roxy Music’ gegeben hat, er verweist auch auf die 70er Jahre des letzten Jahrtausends, in denen er spielt und die Band Erfolge feierte. Der Sterkrader Buchhändler Arndt Wiebus erklärt: Ort der Handlung ist eine idealtypische Kleinstadt. Roxy verdient sein Geld mit Hilfsarbeiten, erlebt Zeit und Arbeit aus einer gewitzten sozialen Froschperspektive, laboriert an Lese- und Rechtschreibhemmungen. Als Radiohörer weiß er aber viel; mehr z.B. über den Röhm-Putsch als eine Abiturientin, die darüber schreiben soll. Wehrpflicht vergessen, Zivi im Krankenhaus, in dem er einer verunglückten Angebeteten so nahe kommt wie nie zuvor. Sous Dialoge sind knapp, trockenhumorig, machen schlagartig neue Perspektiven auf. Das Romanpersonal ist in Macken und Kanten, Unangepasstheit oder systemtragender Bürgerlichkeit vielfältig gezeichnet. Die Spannung zwischen Roxys minimalistischem Leben, dem finanzsorgenfreien seiner Arbeitgeber und dem gymnasialen des Mädchens entlädt sich in einem überraschenden, märchenhaften Ende. Ein sauberer Schnitt, der Erinnerung zum Klingen bringt.

Dietmar Sous: Roxy. Transit Verlag, 2015. 142 S., 16,80 Euro.