Rosskur für Wirtschaftsförderer notwendig

Das hier 1905 gegründete Tiefbauunternehmen Becker verlässt die Stadt (die NRZ berichtete), die Automatisierungsfirma Lenord & Bauer lässt lieber in Gladbeck produzieren, auf dem Thyssen-Krupp-Gelände hat sich bisher nur Lekkerland angesiedelt – allen Parteien im Rat ist klar, dass die Wirtschaftsförderung dringend einer Rosskur bedarf. Das Ziel: Mit den Touristikmanagern der Stadt sollen sich die Wirtschaftsförderer stärker um die Interessen der hiesigen Unternehmen bemühen und die Entwicklung auf den freien, aber in Privathänden befindlichen Gewerbeflächen in der Stadt vorantreiben.

Zu wenig Arealesofort verfügbar

Um diese Erkenntnisse zu untermauern, hat die Stadt die Dortmunder Unternehmensberatung „Exper Consult“ beauftragt. Diese hat jetzt folgende Knackpunkte analysiert: Touristiker und Wirtschaftsförderer arbeiten nicht eng genug mit den örtlichen Betrieben zusammen; es gibt zu wenige Gewerbegebiete, die so aufbereitet sind, dass sie sofort verfügbar sind, wenn ungeduldige Investoren anklopfen; die hier lebenden Fachkräfte werden zu wenig motiviert, hier zu bleiben; die Vorzüge Oberhausens werden schlecht verkauft. „Negativschlagzeilen über Oberhausen überwiegen“, stellt Diplom-Ingenieur Markus Wessel von ExperConsult bedauernd fest.

In dem Zwischenbericht zur Reform der städtischen Wirtschaftsförderung rät ExperConsult, in einem ersten Schritt zu versuchen, Fachleute hier zu qualifizieren und den Bedarf hiesiger Unternehmen zu ermitteln, um ihnen in Oberhausen Perspektiven zu geben. Erst im zweiten Schritt soll man sich bemühen, neue Menschen und Betriebe für Oberhausen zu gewinnen.

ExperConsult empfiehlt der Stadt, Tourismus- und Wirtschaftsförderung aus einer Hand zu betreiben und sich zu fokussieren: „Angesichts begrenzter Personalkapazitäten sollte man sich nicht verzetteln.“ So sollen das heutige Stadtteilmanagement und die Gründungsberatung andere erledigen.

Konzentrieren soll sich die Wirtschaftsförderung auf drei Leitmärkte: „Urbanes Bauen/Wohnen“, „Nachhaltiger Konsum“ sowie „Freizeit und Events“. Bei Letzterem sei die Neue Mitte der „zentrale Entwicklungspunkt für Oberhausen“.

Einen Schlüssel zu einer besseren Wirtschaftsentwicklung in Oberhausen sehen die Berater darin, sich verstärkt um Gewerbegebiete zu kümmern. „Oberhausen benötigt unbedingt Flächen in eigener Hand.“ Um diese dann mit Firmen aus bestimmten Branchen zu füllen. Dann könne Oberhausen ein neues Image entwickeln – als Smart-City (intelligente Stadt) des Ruhrgebiets.